Druckschrift 
9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

54

. Geschichte der Juden.

Druckerei iu Prag au (um 1503)/) die erste iu Deutschland, beinahevier Jahrzehnte nach der Entstehung hebräischer Offizinen inItalien.

Viel Gelehrsamkeit scheint damals in der Prager Gemeinde nichtheimisch gewesen zu sein; denn die Gersonsche Druckerei lieferte ineiner geraumen Zeit nicht ein einziges wissenschaftliches Werk, nichteinmal ein talmudisch-rabbinisches, sondern sorgte nur für den Shna-gogenbedarf,. während die italienischen und türkischen Druckereienwichtige Schriften aus der ältern Zeit und der Gegenwart verbreiteten.Nur eine einzige rabbinische Autorität Prags wird aus dieser Zeitgenannt, und diese, Jakob Polak (geb. um 1470, gest. um 1530)/)der eine neue Auslegungsweise des Talmud angebahnt hat, war einAusländer. Er war nächst seinem Namensverwandten im Morgen-lande, Jakob Berab, der gründlichste und scharfsinnigste Tal-mudist dieser Zeit. Merkwürdigerweise sollte die staunenswerte Fertig-keit den Talmud zu behandeln, welche erst in Polen ihre höchste Aus-bildung erhalten sollte, von einem geborenen Polen ansgehen. EinJünger des Jakob Margoles (Margolit) von Nürnberg, wurdeJakob Polak in den bayerischen Talmudschulen in jenes spitzfindigeSpiel von Fragen und Antworten über talmudischeThemata eingeführt,welches von den Städten, wo es im Gebrauche war, den RainenNürnberger, Regensburger und Augsburger er-halten hatte.Z Aber er machte das Spiel zum Ernste. Obwohl dieseMethode der Talmndauslegung einen eigenen Namen erhalten hat Pilpul, so läßt sich doch keine faßliche Vorstellung davongeben. Es ist ein Aufwand von Scharfsinn zu geringfügigem Erträg-nisse, das Ausführen eines Riesenbaues aus Sandkörnern, eine Kombi-nationskunst, welche das Entfernteste in nahe Beziehung zu bringenversteht, eine Haarspalterei, welche zugleich Staunen und Lächelnerregt. Jene Sophisterei der Pumbaditaner, die von den Talmudistenselbst verspottet wurde, daß sie ein Seil durch ein Nadelöhr zu bringenwüßten, wurde von der Pilpul-Methode des Jakob Polak noch beiweitem überboten. Diese Tisputierkunst, die ein Seitenstück an derScholastik der mittelalterlichen Universitäten hatte, wurde zwar vonmanchen Talmndkundigen getadelt, brach sich aber dennoch Bahn, weil

u Znnz, znr Geschichte, §. 261 f. S 270 ; dessen Analekten in Geigers Zeit-schrift V. S. 30 ; Eisch »nd Grnber sect. II, B. 28 . Artikel; jüdische Typo-graphie, S. 5 2 .

ch Bgl. über ihn Note 2 und R. Brüll Jahrbücher VIII 31 f.

0 ) Jesaia Hvrwitz, 1-12.1 imb mr- (1-^2-) zn ii>i22- '22 g. I 8 l a; 2.1 i-i-ih-i i:i>-2 121 (1.-.1122-ich i^>-i22">8 . 2--128- 2-2122 -,-iib m-.11 1111 p

- 1181 812 81121 8M.1 18 1281 28- ^2 11221.12 ;2I (lZ1IL2>M,-l) 1121122- 1>:xi

.1111 2") 211 128 111.1 7^22 21 ll-82 2-^21