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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Die Juden in Böhmen.

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stadt eines eigenen Kronlandes, über welches Ladislaus, zugleichKönig von Ungarn, sozusagen regierte. Dieser König war, obwohlein Sohn des judenfreundlichen Polenkönigs Kasimir IV./) keineswegsden Juden wohlwollend gesinnt. In Ungarn sah er mit Gemütsruhean, wie die Juden der Freistadt Tyrnau zuerst gefoltert und dannverjagt wurden, weil sie die erste Anschuldigung gegen sie in Ungarnsich des Blutes von Christenkindern zu allerhand Mitteln, zur Stillungdes Blutflusses, zu Liebestränken bedien' hätten.?) Die böhmischenJuden hatten es unter Ladislaus nicht besser; das Judenquartier inPrag wurde öfter von Pöbelhaufen geplündert. Die Vertreibung derJuden war ein Herzenswunsch der Bürger. Doch hatten die Judenauch ihre Gönner, namentlich unter dem Adel. Als auf einem Land-tage die Frage wegen Ausweisens oder Verbleibens der Juden zurSprache gekommen war, ging der Beschluß durch (7. August 1501),daß sie von der Krone Böhmen in ewigen Zeiten geduldet werdensollten. Wenn der eine oder der andere unter ihnen sich gegen dieGesetze verginge, sollten die Schuldigen allein bestraft, und deren Ver-brechen nicht an der Judenheit insgesamt geahndet werden. DerKönig Ladislaus bestätigte diesen Landtagsbeschluß, um ihn nur zubald zu brechen, denn die Prager Bürgerschaft war dagegen und gabsich alle erdenkliche Mühe, ihn zu vereiteln. Sie nahm den König sosehr gegen die Juden ein, daß er ihre Ausweisung bestätigte und die-jenigen Christen mit Verbannung bedrohte, die sich unterfangen sollten,eine Fürbitte für die Juden einzulegen. Dennoch blieben sie im Lande,?)inan weiß nicht, durch welche günstige Fügung. Die Unsicherheit derZukunft bewog indes eine Anzahl jüdischer Familien nacb Polen aus-zuwandern, von denen ein Teil sich in Krakau ansiedelte.ch Täglichder Ausweisung gewärtig, gewöhnten sie sich, sich an dem flammen-zuckenden Krater anzubauen. Ein Abkömmling der italienischenDrnckerfamilie Soncin, Gerson Kohen, legte eine hebräische

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k- h Über die Verfolgung von 1494 in Tyrnau, Löw, nach BonisaciusQuelle in Zeit, des Judentums, Jahrg. 1839, S. 539.

?) Vergl. darüber v. Hcrrmann, Geschichte der Israeliten in Böhmen, S.40 f. S. 53; Wolf, Aktenstücke Naskir, Jahrg. 1861, S. 149.

U Lateinisches Aktenstück bei Osaeki von den Juden x. 44, wo von ack-ventms Lobsmornm die Rede ist. Die Einwanderung muß lange vor 1519,dem Jahre der Entscheidung des Königs Sigismund I. in dem Streit um eineSynagvge in Krakau stattgesnnden haben.