Druckschrift 
9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
Entstehung
Seite
52
Einzelbild herunterladen
 

52

Geschichte der Juden.

anderen nicht vor einer bestimmten Tagesstunde und erst nach denChristen ihre Einkäufe an Lebensmitteln machen. Den Christen wurdebei des Rates ernsthafter Strafe" untersagt, für Inden Einkäufe zumachen, und daß ein jeder die Ehre Gottes und seine Seligkeit zuHerzen nehmen möge", herzlos gegen die Juden zu seiu.H Die Ge-quälten klagten bei ihrem nächsteuSchutzherrn, demHerzog von Bayern-Landshut, daß keine Stunde des Tages vergehe, in der sic vor Miß-handlungen sicher wären, wenn einer von ihnen mit Christen zusammen-träfe.-) Aber dieser konnte oder mochte ihnen nicht helfen. EinenAugenblick glaubten sie, besseren Tagen entgegensehen zu können,als sie durch den Tod des Herzogs Georg von Laudshnt aus diesemscheinbaren Schutzverhältnisse in das des Kaisers, und zwar als Erz-herzogs von Österreich, übergingen und ihm ihre Steuern zu zahlenhatten (seit 1504). Aber dadurch, daß sie sich an die verhaßte Fremd-herrschaft anlehnten, wurden sie von der Bürgerschaft nur uoch scheelerangesehen und von der Geistlichkeit nur noch mehr geächtet.H DerRat beschäftigte sich bereits ernstlich mit der Beratung, den KaiserMaximilian anzugehen, seine Zustimmung dazu zu erteilen, die Judenaus Regensburg zu vertreibeu uud allenfalls etwa vierundzwnnzigFamilien zu behalten.Z Nur uoch wenige Jahre waren ihnen ver-gönnt, ein elendes Leben daselbst zu führen. Wetterwendische Willkürbewährte Kaiser Maximilian recht oft in seinen Erlassen bezüglich derJuden. Er hatte den Bürgern der Elsässischen Stadt Obernai, derenRoheit die jüdischen Einwohner ihrer Stadt und die Umherreisendenbis aufs Blut verfolgte, bei seiner Ungnade befohlen, die ausgewiesenenJuden wieder anfzunehmen und ihnen kein Leid zuzufügen. Kaninzehn Jahre später (1507) erlaubte er dem Magistrat von Obernai, dieneu Angesiedelten wieder zu vertreiben und Juden überhaupt dieBerührung des Staatsgebietes zu verbieten.") Im ganzen gab es mitRegensburg nur noch drei große Gemeinden in Deutschland, nämlichin F- r a n k surt a. M. und W o r m s ,ch und auch diese wurdenöfter mit Verbannung bedroht.

In Prag wohnten zwar sehr viele Juden,Z aber diese Stadt wurdedamals nicht zum eigentlichen Deutschland gezählt, sondern als Haupt-

>) Gemeiner, das. S. 33, Sv

-) Das. S. 63 Das. S 85, >17 ff.

h Das. S. 161 .

°) Aktenstück Revue XVI. 102, Josetin Tagebuch das. 87 Nr. 4 undRevers XIII. 67 f.

") Pfefferkorn in einigen seiner Schmähschriften, in, folgenden Kapitel.

y Rpistolas obseuroi um virornm (Dnnkelmännerbricfe) II. Nr. 16, (8a-lutsa vokis ptm'Skh

HmtM 8,t7!.k . . .