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Geschichte der Juden.
Maximilians Regierungsantritt ging ihn die Bürgerschaft an, die Aus-weisung der Jndenschaft „wegen loser Aufführung" zu gestatten.Diese „lose Aufführung" formulierte sie in den Anklagen, daß dieInden durch Aufnahme fremder Glaubensgenossen ihre Zahl über dieNorm vermehrt, daß sie übermäßigen Wucher getrieben und mit Schuld-fvrdernng Betrug geübt, dadurch die Verarmung von Handwerks-leuten herbeigeftthrt, und endlich daß sie schlechtem Gesindel Herbergegegeben hätten. Um den Haß gegen sie rege zu machen, ließ der reicheBürger Antonius Koberger die giftgeschwollene jndenfeindlicheSchrift des spanischen Franziskaners Alfonso de Spina aufeigene*) Kosten drucken, welche die Lateinischkundigen, d. h. die gebil-deten Klassen, in dein Wahne bestärken sollte, daß die Juden Gottes-lästerer, Hostienschänder und Kindesmörder wären. Nach langemPetitionieren gewährte endlich Kaiser Maximilian die Bitte des Rates„wegen der Treue, welche die Stadt Nürnberg von jeher dem kaiser-lichen Hause erwiesen", hob die Schutzprivilegien der Inden auf,erlaubte dem Rate, eine Frist zur Vertreibung festzusetzen, verlangteaber, daß die Häuser, Liegenschaften, Synagogen und selbst der Friedhofdem kaiserlichen Fiskus zufallen sollten. Er räumte noch dazu der StadtNürnberg das Privilegium ein, niemals mehr Juden aufnehmen zumüssen (5. Juli 1498). Nur vier Monate bewilligte der Rat anfangszur Vorbereitung für die Verbannung — und im Rate saß damalsschon der gebildete, mit Tugend und Humanität nur sich werfendePatrizier Willibald Pirkheim er, später eine Säule desHumanistenkreises. Auf das Flehen der Unglücklichen wurde ihnendie Galgenfrist um noch drei Monate verlängert. Aber die Juden,von den Schöppen in die Synagoge zusammengerufen, mußten einenEid leisten, daß sie bis dahin bestimmt answandern würden. Endlichverließ (10. März 1499) die ohnehin sehr heruntergekommene undgeschwächte Gemeinde Nürnbergs die Stadt, wo sie sich nach dem Endedes schwarzen Todes wieder angesiedelt hatte. Der Rat war nochmenschlich genug, den Abziehenden einige handfeste Männer zumGeleite mitzngeben, um sie vor Mißhandlungen zu schützen. DieLiegenschaft der ausgewiesenen Juden fiel dein Kaiser zu, der sie für8000 Gulden der Stadt überließ. Die Verbannten wollten sich anfangsin Windhei m niederlassen, und sie hatten eine Fürsprecherin ander Markgräfin Anna von Brandenburg, welche für siediese geringe Gunst erwirken wollte. Aber der Rat versagte ihnen
*) Das Uortalitinm ücier Alfonso de Spinas ist zuerst Nürnberg, Febr.1464, „iinnsnüis .Intonii Koberger" gedruckt worden. Über dieSchrift vergl. B. VIII g S. 228 f. Koberger war ein Patrizier und mit demAngesehensten dieses Standes, mit Willibald Pirkheim er, befreundet, wieaus Huttens Briefwechsel mit dem letzteren hervorgeht.