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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

lich empfingen und ihn zu Worte kommen ließen. Er wurde mit Rechtvon seinen Stammesgenossen als ihr großer Verteidiger gepriesen undgesegnet. Ohne diesen ihren Schutzgeist hätten sich vielleicht die Judenin Deutschland nicht behaupten können. Denn die Vertreibung der-selben aus Spanien wirkte ansteckend. Fürsten und Städte plantenseitdem, sie auch aus den deutschen Gauen zu weisen. Um aber dieseGrausamkeit zu rechtfertigen, wofür nicht wie auf der pyrenüischenHalbinsel der Vorwand geltend gemacht werden konnte, daß ihre An-wesenheit zum Schaden fiir die Nerichristen gereiche, daß diese zumAbfall von der Kirche verführt würden, wurde die Lügenmäre vonChristenkindermord und Hostienschändung durch Inden noch häufigerverbreitet. Um recht viele Juden in die Beschuldigung hineinzuziehen,wurde immer hinzugefügt, von dem Kinderblut sei nach solchen Ortenversandt worden, wo viele und reiche Juden wohnten. H

Die Dominikaner, welche in Spanien die Ausweisung der Judendurchgesetzt hatten, betrieben mit der ihnen eigenen Schlauheit undBeharrlichkeit denselben Plan für Deutschland. Sie stellten die Judenals Schreckensgespenst dar, das nach dem Blute von Christenkindernlechze. Und Kaiser Maximilian, welcher von seinem Vater die Mahnungerhalten hatte, die Juden vor verläumderischen Anschuldigungen zuschützen, war kein fester Charakter, vielmehr allen Einflüssen und Ein-flüsterungen zugänglich, und hat den Rat seines Vaters nicht immerbefolgt. Sein Verhalten gegen die Juden war daher stets schwankend;bald erteilte er ihnen Schutz oder sagte ihn ihnen wenigstens zu, baldbot er die Hand, wenn auch nicht zu ihrer blutigen Verfolgung, so dochzu ihrer Ausweisung und Demütigung. Ten lügenhaften Anschuldi-gungen gegen sie von Hostienschändung und Kindermvrd schenkte auchKaiser Maximilian hin und wieder Gehör. Daher kamen währendseiner Zeit nicht bloß Jndenvertreibungen in Deutschland und seinenNebenländern vor, sondern auch Judenhetzen und Marter. Des Todesdurch die Folter, des Märtyrertodes, waren sie so sehr täglich gewärtig,daß eigens ein Sündenbekenntnis für solche Fälle formuliert wurde,damit die unschuldig Angeklagten, wenn zum Abfall aufgefordert, ihrBekenntnis mit dem Tode besiegeln und sich freudig für den einzigenGott hingeben sollten. Wurden Juden irgendwo mit Bewilligungoder durch Passives Verhalten des Kaisers ansgewiesen, so hatte dieserkein Bedenken, ihre zurttckgelassenen liegenden Gründe für sich ein-ziehen und zu Geld schlagen zu lassen.

Gleich in den ersten Jahren seiner Regierung Vertrieb er die Judenvon Steiermark, Kärnthen und^K r a i n. Die Landstände

*) Aktenstück in Revns XVI, 237 R., nt ilixernnr .Inilnei nrln'8 Hinnktmt:Incknei trnnsinisernnt nnvAm'new nck eivilntes et wen nl>i stivites moinntnrckmlnsi.