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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Joselin von Roßheim..

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hängt war, traf in der letzten Stunde Hilfe ein, indem Bames vonMühlhausen 800 Gulden durch den Verkauf aller seiner Habseligkeitenals Lösegeld dem Führer der Schweizer einhändigte, um welchen Preisder Unmensch sie verschonen wollte. Das waren die Wiegenlieder,welche der junge Joselin von seinen Eltern in Erinnerung hatte, diesich in Roßheim bei Colmar ansiedelten.

Diesen Joselin, welcher von diesem Aufenthalt seiner ElternRoßhei m (Roschheim) genannt wurde, ernannte Kaiser Maximilianauf Eingebung des Leibarztes Jakob Loans zum Großrabbiner (oberstenRabbi) der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Er sollte gewiß fürdie Leistung der Judensteuer an den Kaiser sorgen und die Säumigenmit dein rabbinischen Bann belegen, der damals unter den Judendieselbe Wirkung hatte, wie der katholische. Dazu mußte er einenschweren Eid leisten') und dazu erhielt er auch die Befugnis, den Bannzu verhängen.U Sein Amtstitel war Versorger und L e i t e r derJudenheit (Uainss-^laiUiich, sogar auch in der KanzleispracheRegiererder Juden". Da Joselin aber, wenn auch talmudisch geschult, doch nichtden hohen Grad der rabbinischen Kenntnisse besaß, welche in Deutschlandzur Würde eines Rabbiners und noch dazu eines Großrabbiners berech-tigten, und er außerdem von den Juden nur als kaiserlicher Fiskalangesehen wurde, so haben ihn die Gemeinden zuerst nicht als solchenanerkannt. Erst als sie wahrnahmen, wie er sich ihrer mutig undunverdrossen angenommen hat, erkannten sie ihn als ihren Vertreterund Beschützer (Stadlan) an, wandten sich an ihn, wo ihnen Unbillwiderfuhr oder Verfolgung drohte. Einen solchen treuen, hin-gebenden und klugen Annehmer haben die deutschen Inden bis dahinnoch nicht besessen. Er durfte von sich rühmen, daß er weite Reisen imInteresse der Gemeinden gemacht und daß er vor Königen und Kaisern,in Ratsversammlungen und bei den kaiserlichen Kammern sie verteidigthat.") Er hat in der Tat bei Fürsten und Magistraten vieles durch-gesetzt. So oft er nur zur Audienz beim Kaiser Maximilian und seinemNachfolger gelangen konnte, fand er bei ihnen Gehör. Joselin wareine allgemein beliebte Persönlichkeit, obwohl er nicht über große Geld-mittel verfügen konnte. Nicht selten ist sein Haus von wilden Bandenausgeplündert worden, während Fürsten leutselig mit ihm verkehrten.

Die innige Religiosität und das unerschütterliche Gottvertrauen,die ihn in gleicher Stärke, wie die Psalmensänger beseelten, sowie seinFeuereifer, die Sache der zum Tode Gehetzten zu führen, müssenseinen Zügen einen so verklärenden Widerschein gegeben und ihm sowarme Sympathie erweckt haben, daß finstere Machthaber ihn freund-es Aktenstück bei Scheid Rsvns XIII. 61 unten.

2) Aktenstück da!. 76.

") Aktenstück bei Scheid das. 257.