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Geschichte der Juden.
zustande die.'allgemeine Brüderlichkeit durchführen lasse, in welchemjeder gehalten sei, dem Mangel seines Nächsten vhne Gegenleistungabzuhelfen. So wie die Gesetze zulassen, das; für das Überlassen vonBesitztümern zur Benutzung ein Mietpreis gezahlt werde, so sei jederauch berechtigt, sein Geld für Miete, d. h. für Zins auszuleihen. Aucbverpflichte sich ja jeder, d'er von einem Juden eine Anleihe nehmen wolle,von vornherein zu einer bestimmten Mehrzahlung, cs beruhe also auffreiwilligem B rzichtleisten. Die Päpste haben deswegen auch denJuden den Wucher gestattet, und die Juden müßten dafür hohe Steuernzahlen, wodurch auch dem Staate Nutzen erwachse. Auch sei der Zins ansich nicht so verderblich, da er im Gegenteile öfter den GeldbedürftigeuVorteil gewähre, Geschäfte zu betreiben, um sich vor größermSchaden zu schlitzen. Nur von Juden Zins zu nehmen, verbiete dasjüdische Gesetz, als voll Brüdern im wahren Sinne. Die Christen aberseien nach dem Wortlaut des Gesetzes nicht als Brüder zu betrachten,wollten es auch gar nicht sein, indem sie sichtlich genug die Juden sehrunbrüderlich behandelten. Diese Rechtfertigung Farissols befriedigtallerdings nur halb. Besser klingt der Schluß seiner Abhandlung:Wer sich von bösem Leumund feruhält, nur würdige, nicht gehässigeGeschäfte betreibt und eingedenk ist, gegen alle Dürftige ohne Unter-schied Erbarmen zu üben, habe von Gott Segen zu erwarten.*)
Farissol hatte auf Veranlassung des Herzogs von Ferrara denInhalt seiner Unterredungen mit den Mönchen hebräisch nieder-geschrieben und daun in italienischer Sprache wiedergegeben, damitseine Gegeukämpfer sich auf eine Widerlegung vorbereiten könnten. 2)Dieses Polemische und apologetische Werk hat aber iveit weniger Wertals sein geographisches, das er im hohen Alter all der Schwelle desGrabes allsgearbeitet hat. Darin zeigen sich Farissols Geistesklarheit,gesunder Sinn, wie umfassende Gelehrsamkeit.
In Italien hatten die Juden damals Wenigsteils noch die Freiheituild die Fähigkeit, mit den Christeil ein Wort zu wechseln. Stiegensie aber über die Alpeil nach Deutschland, so wehte für sie zugleicheine atmosphärisch und politisch rauhe Luft; schwerlich haben sefardilcheFlüchtlinge in dieses ungastliche Land ihren Fuß gesetzt, ch Die deutscheBevölkerung war damals nicht weniger feindselig gegen die Juden alsdie spanische. Sie hatte sie zwar nicht wie inSpanien umhoheStellungenund deil Einfluß einiger jüdischer Großen au den Höfen zu beneiden;über sie gönnte ihnen nicht einmal das elende Leben in den Judengassen,worin sie zusammengepfercht wohnten. Aus einigen Gegenden Deutsch-lands waren sie bereits verjagt, aus dem Cölnischen, Mainzischen,
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