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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

machte die lateinischlesendeWelt mit der lichtvollen Einleitung Maimuniszu der Sittenspruchsammlung der Väter (Illrlcs^bot) bekannt, welche dassittliche Ideal des Judentums beleuchtet. Er stand als Leibarzt inhohem Ansehen bei dem Papst Paul III. und bei dem Gesandtendes Kaisers Karl V., Diego M endvso in Venedig. Aber seineGelehrsamkeit wurde durch sein schlechtes Herz verdunkelt. Neid undEhrgeiz verleiteten ihn zu schlechten Handlungen, zu Angebereienund Verfolgung Unschuldiger.

Ein Mann lebte damals in Italien, der sich zwar nicht durchglänzende Leistungen hervorgetan hat, aber doch fast allen seinenGlaubensgenossen überlegen war durch etwas, was literarischeLeistungen überwiegt und nicht jedermanns Sache ist, durch gesundenSinn und geraden Verstand, der die Tinge nicht nach dem Scheineund nicht von einem beschränkten Gesichtspunkte aus beurteilt, unddieser Mann, A b r n h a m F arissol, war nicht Italiener vonGeburt. Farissol (geb. 1541, gest. um 1525P) stammte aus dem fran-zösischen Kirchenstaate, aus Avignon, und war aus einer unbekanntenVeranlassung, vielleicht aus Not, nach Ferrara ausgewandert. Erfristete seine Existenz durch Nbschreiben von gesuchten Büchern und,wie es scheint, auch durch ein Sängeramt in der Synagoge. Obwohlin einem engen Gehäuse lebend, war sein Blick doch geschärft, seinGesichtskreis weit, sein Urteil gereift. Farissol beschäftigte sich wie diemeisten seiner gelehrten Zeitgenossen in Italien, mit Auslegung derheiligen Schrift, aber nach dieser Seite liegt seine Bedeutung nicht.Seine Überlegenheit beruht ans seiner Kleingläubigkeit inmitten derdickköpfigsten Glaubensseligkeit der Zeit. Er selbst sagte von sich:Ich gehöre in betreff der Wunder zu den Kleingläubigen."?) Farissolwar der erste jüdische Schriftsteller, der statt sich mit dem gestirntenHimmel, mit Astronomie und Astrologie zu beschäftigen (wozu jüdischeDenker im Mittelalter eine allzu große Neigung hatten), sich auf Länder-kunde, auf Erforschung des Erdkreises und was auf ihm webt, ein-gehend verlegte, wozu die wunderbaren Entdeckungen der SüdküsteAfrikas und Indiens durch die Portugiesen und die Auffindung Amerikasdurch die Spanier ihn: Anregung gegeben hatten. Durch den mittel-alterlichen Nebeldunst und die täuschende Luftspiegelung der Phantasie-gebilde hindurch sah Farissol die Wirklichkeit und Tatsächlichkeit derDinge, wie sie sind und liegen, hielt es für nötig, darauf hinzuweisenund verspottete die Geistesarmen, welche in ihrem gelehrten Dünkel

Ü Z»nz setzte sein Geburtsjahr 1451 ohne Quellenangabe an im Exkurs zuBenjamins von Tudela Itinerarium, englische Ausgabe von Asher. FarissolsTodesjahr folgt daraus, daß er sein geographisches Werk rnn-m Okt. 1524beendete. Vcrgl. über seine Schriftstellerei die Bibliographen u. B. Vlllg S. 457.

H Geographisches Werk -iiau e. 24.