Druckschrift 
9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
Entstehung
Seite
38
Einzelbild herunterladen
 

38

Geschichte der Juden.

(Sommer 1509)*) Auch sein ältester Sohn Leon Medigo übtewenig Einwirkung auf seinen Kreis. Er war dazu zu sehr philosophischerTräumer und Idealist, eine Dichteruatur, die sich nicht gern mit denDingen dieser Welt befaßte. Es ist daher gar nichts von ihn: bekannt,seitdem er die Stelle als Leibarzt des Großkapitäns in Neapel ver-loren hatte (S. 6). Einflußreich auf seine Zeit war nur der jüngsteder drei Brüder, Samuel Abrabanel (geb. 1473, starb um1550). 2 ) Er galt zu seiner Zeit als der angesehenste Jude in Italienund wurde von seinen Stammgenvssen wie ein Fürst verehrt. Er alleinunter seinen Brüdern erbte von seinem Vater die Finanzwissenschaftund scheint nach seiner Rückkehr ans dem talmndischen Lehrhausevon Salonichi (o. S. 7) sich darauf verlegt zu haben und bei dein Vize-könig von Neapel Don Pedro de Toledo im Finanzfache ver-wendet worden zu sein. Er erwarb in Neapel ein sehr bedeutendesVermögen, das man auf mehr als 200 000 Zechinen schätzte. DenReichtum verwendete er, um dem in seiner Familie erblich gewordenenZuge, gewissermaßen Bedürfnisse, Wohltaten zu üben, seinerseits zugenügen. Der jüdische Dichter Samuel Usque entwirft eineschwärmerische Schilderung von dessen Charakter und Herzen.SamuelAbrabanel verdient Trismegistos (Dreimal Groß) genannt zu werden;er ist groß und weise in: Gesetz, groß in: Adel und groß in: Reicht:::::.Mit seinen Glücksgütern ist er stets großherzig, eine Hilfe für die Trübsaleseines Volkes. Er verheiratet Waisen in Unzahl, unterstützt Bedürftige,bemüht sich, Gefangene anszulösen, so daß er alle die großen Eigen-schaften vereinigt, welche zur Prophetie befähigen?)

Zur Erhöhung seines Glückes hatte ihn: der Himmel eine Lebens-gefährtin zugeführt, die eine Ergänzung zu seinen hohen Tugendenwar und deren Name Benvenida Abravanela von denZeitgenossen nur mit andächtiger Verehrung ausgesprochen wurde.Zartfühlend, tiefreligiös, zugleich klug und mutig, war sie auch einMuster des gebildeten Tones und des feinen Umganges, worauf inItalien mehr Gewicht als in den übrigen europäischen Staaten gelegtwurde. Der mächtige spanische Vizekönig von Neapel, Don Pedro,ließ seine zweite Tochter Leonora mit Benvenida vertraulich ver-kehren, um sich an ihr zu bilden. Als diese Tochter später GemahlinCosimos II. von Medici und Herzogin von Toskana geworden war,hielt sie sich immer noch zu der jüdischen Donna und gab ihr den Ehren-namen Mutter?) Dieses edle Paar, Samuel Abrabanel und Benvenida,

*) Vcrgl. Bd. Vlll.g S. 129. Auch Jbn-Jachja in Lebalsebslet setztAbrabanels Todesjahr 1509 und nicht wie Chaskitu 1508.

H Bergt. Carmoly, Biographie der Abrabanel. 0?.ar disebmaä II, p. 60.

Samuel Usque Lonsolatzäo OialoZ' III, Nr. 32. Über S. Abrabanelvergl. noch Nthias Einleitung zum Psalmenkommentar.

h Jmanuel Aboab Xomolozla. p. 301.