Tie Gemeinden in Griechenland. 35
Rabbinatswürde in Canea bekleideten, so gab es fortwährend Reibungenzwischen ihnen.H Hatte der eine etwas für erlaubt erklärt, so konnteman darauf gefaßt sein, daß der andere alle Gelehrsamkeit und allenScharfsinn aufbieten würde, um das Gegenteil zu beweisen, und dochwaren beide würdige, charaktervolle Männer, beide auch in außer-rabbinischer Literatur gebildet.
Elia Kapsali (geb. um 1490, gest. uni 1555)2), dessen VaterElkana, Gemeindevorsteher (Oonclsstmbls) von Canea gewesen war,besaß auch gute Geschichtskeuntnis. Als einst die Pest Candia ver-heerte und die Bevölkerung in Trübsinn versetzte, verfaßte er (1523)eine Geschichte des türkischen Reiches, um die Leser von der Todes-furcht abzuzieheu, in einem sehr anmutigen hebräischen Stile, in durch-sichtiger und gehobener Sprache, fern von Überladungen und mitVermeidung des Kauderwelsches von Barbarismen. Kapsali bestrebtesich, nur die Wahrheit zu erzählen. Er flocht darin die Geschichte derJuden ein und schilderte in düstern Farben das tragische Geschick deraus Spanien und Portugal Vertriebenen, wie er es aus dem Mundeder Flüchtlinge vernommen hattet) Obwohl er eine Nebenabsichtbei der Abfassung der Geschichte erzielen wollte, die Erheiterung derwegen der Pest Traurigen, so hat er sich dabei doch nicht von derPhantasie leiten lassen, sondern hat die Begebenheiten wahrheitsgetreuwiedergegeben und die Verknüpfung von Ursache und Wirkung ver-deutlicht. Auch auf die angemessene Form hat er Wert gelegt, undseine Darstellung kann zum Muster eines schönen hebräischen Ge-schichtsstils dienen und hat auch als solches gedient und Nachahmunggefunden. Kapsali verließ die trockene Chronikerzählung und war als
U Bergt, darüber Lsspp. Mose Alaschkar Nr. 70 ff., Nr. IN; Uespp.Jacob Berab Nr. 54; üssiix. Meir von Padua Nr. 29. Mose Metz, Ein!, zuDelmedigos Elim, p. 39 b.
h Vergl. über ihn Bd. Vlllg S. 443 ff. Seine biographischen Data er-geben sich aus folgenden Momenten. Um >525—1528 während des Streiteszwischen Benjamin Seeb und David Kohcn aus Corfn war Elia Kapsali bereits18 Jahre Rabbiner (das.); er ist also um >512 Rabbiner geworden, muß dochaber mindestens damals ein Zwanziger gewesen sein. Damit stimmt überein,daß er das Lehrhaus des Inda Mcnz in dessen letztem Lebensjahre 1509 besuchthat, etwa als achtzebnjähriger Jüngling. Anderseits richtete er nach demAbleben des Jakob Berab, d. h. nach 1541, eine Anfrage an dessen Nachfolger-in Safet, an Joseph Karo und Joseph di Trani in betreff des Anfstellenseines Marmors mit einer Löwengestalt in der Synagoge (Respp. I- Karob- 1 -r nprn Nr. 61—65 und Lesxp. M. di Trani I, Nr. 30).
h Aus Kapsalis Geschichtswerk ws'.n «rnr oder r-nbn -no teilte Luzzattoeine interessante Piece daraus mit in Wieners deutscher Übersetzung desXmek Iia-Laoba. Nr. XV ff. Mose Lottes aus Padua hat einen großen Teildesselben 1869 veröffentlicht unter dem Titel -ww oder üs vita. st
seriptio Lilas Xapsali.
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