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Geschichte der Juden.
Wissenschaften zurückgekommen waren und ihre Jahrhunderte langbehauptete Meisterschaft eingebüßt hatten, so waren sie doch den Judennller übrigen Länder an Bildung, Haltung und auch an innerem Gehaltbei weitem überlegen, die sich in ihrer äußeren Erscheinung und inihrer Sprache zeigte. Ihre Liebe zu ihrer Heimat war so groß, daßsie keinen Raum in ihrem Herzen für den Haß ließ, den sie gegen dieRabenmutter, die sie ins Elend gestoßen, Hütten empfinden müssen.Wo sie hinkamen, gründeten sie daher spanische oder portugiesischeKolonien. Sie brachten die spanische Sprache, die spanische Würdeund Vornehmheit nach Afrika, der europäischen Türkei, nach Syrienund Palästina, nach Italien und Flandern und überall mit; wohinsie verschlagen wurden, hegten und pflegten sie dieses spanische Wesenmit so viel Liebe, daß es sich unter ihren Nachkömmlingen bis auf denheutigen Tag lebendig erhalten hat. Weit entfernt in den Ländern,die sie gastlich ausgenommen, in der Mehrzahl der übrigen jüdischenBewohner anfzugehen, hielten sie sich als ein bevorzugter Menschen-schlag, als die Blüte und der Adel der Judenheit, von ihren Stamm-genossen gesondert, blickten verächtlich auf sie herab und schrieben ihnennicht selten Gesetze vor. Das kam. daher, daß die spanischen und portu-giesischen Juden die Sprache ihrer Heimat (welche durch die Er-oberungen und Entdeckung von Amerika Weltsprache geworden war)rein sprachen, an der Literatur teilnahmen, dadurch auch im Verkehrmit Christen ebenbürtig und männlich ohne Scheu und Kriecherei auf-traten. Sie bildeten in diesem Punkte einen Gegensatz gegen diedeutschen Juden, welche gerade das, was den Menschen zum Menschenmacht, eine reine und schöne Sprache, mißachteten und dagegen ver-wahrlostes und kauderwelsches Sprechen, so wie das sich Feruhalten vonder christlichen Welt als Religiosität betrachteten. Die sefardüchenJuden legten überhaupt Gewicht auf die schöne Form, auf Geschmackin ihrer Tracht, auf Eleganz in den Synagogen und ebenio auf dieMittel zum Gedankenaustausch. Die Rabbinen spanischer und portu-giesischer Zunge predigten in ihrer Landessprache und legten auf reineAussprache und Wohllaut großen Wert. Daher artete ihre Spracheniemals, wenigstens nicht in den ersten Jahrhunderten nach ihrer Aus-weisung, in einen lallenden Jargon aus. „In den Städten Salonichi,Konstantinopel, Alexandrien, Kairo, in Venedig und anderen Handels-plätzen machen die Juden nur in spanischer Sprache Geschäfte. Ichkannte Juden aus Salonichi, welche, obwohl sie noch jung waren,das Kastilianische eben so gut und noch besser als ich auSspracheu", sourteilte von ilmen ein christlicher Schriftsteller etwa ein halbes Jahr-hundert nach ihrer Vertreibung.*)
') ciousstvo cts Illesea8, bistoi'ia poutiücal eMolica (1606) bei äslos Rias, Lstuciio «obre Io8 .Iuäso8, p. -160 Note.