Druckschrift 
9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

Isaak Abrabauel.

7

bleiben. Aber gegen die eingewanderten Marranen aus Spanien nndPortugal ließ Fernando die grausige Inquisition in Venen enteinführend) Bei diesem freigebigen, klugen und heldenhaften Groß-kapitün Gonsalvo de Cordova war Leon Medigo über zwei JahreUeibarzt (1505 bis 1507); dort sah ihn der König Fernando bei seinemBesuche in Neapel. Nach der Abreise des Königs und der ungnädigenEntlassung des Vizeköuigs (Juni 1507) kehrte Leon Abrabanel, ohneeine anderweitige angemessene Tätigkeit zu finden, zn seinem Vaterzurück, 2 ) der inzwischen in Venedig lebte.

Der zweite von Isaak Abrabanels Söhnen, Isaak II., lebtenämlich als Arzt zuerst in Reggio (Kalabrien) und später in Venedigund ließ seinen Vater auch dorthin kommen. Der jüngste SohnSamuel, später ein hochherziger Beschützer seiner Glaubensgenossen,hatte es noch am besten; er weilte unterdessen im Schatten des stillenLehrhauses in Salonichi, wohin ihn der Vater zur Ausbildung in:jüdischen Wissen gesandt hattet) Der ältere Abrabanel betrat nocheinmal die politische Laufbahn. In Venedig hatte er Gelegenheit,einen Konkurrenzstreit zwischen dem portugiesischen Hofe und dervenetianischen Republik zu schlichten, welcher infolge der non den Por-tugiesen angelegten ostindischen Kolonien und besonders des Gewürz-handels ausgebrochen war. Einige einflußreiche Senatoren erkanntenbei dieser Gelegenheit Isaak Abrabanels richtigen politischen undfinanziellen Blick und zogen ihn seitdem bei wichtigen Staatsfragenzu Rate?) Aber seine Kraft war durch die vielen Leiden und Wan-derungen gebrochen. Noch vor dem siebzigsten Lebensjahre hatte ihndie Hinfälligkeit des Greisenalters beschlichen. In einein Antwort-schreiben (vom Jahre 1507) an einen wissensdurstigen Mann ausCaudia, an Saul Kohen A s chkenasi, einen Jünger undGeisteserben des Elia Tel Medigo (VIII, S. 244), welcher gewichtigephilosophische Fragen an ihn richtete, klagte Abrabanel über zunehmendeSchwäche und Greisenhaftigkeit?) Und wenn er es auch verschwiegenhätte, so würden seine schriftstellerischen Arbeiten aus dieser Zeit seineAltersschwäche verraten haben. Die gehetzten Opfer des spanischenFanatismus hätten einen Leib von Erz und Kraft von Stein habenmüssen, um dein Andrang solcher Leiden nicht zu erliegen.

Ein anschauliches Bild von der unstäten Wanderung der jüdisch-spanischen Verbannten gibr das Leben eines Leidensgenossen, oer

- 0 Tlnrita, ^ua>S8 (1s V, p. 327 b.

2 ) Abrabanel, Antwortschreiben an Sani Kohen Aschkenasi, ecl. Venedig von1574, zn 20 b.

'0 Schcm-Tob Athias, Einl. zum Psalnilrinmentar.

h Chaskitu, Biographie des Abrabanel.

: °) Abrabanels Antwortschreiben.