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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

denn bloß als Anhängsel zu diesem behandelt zu werden. LeonAbrabanel trieb die Arzneikunde nur als Brotstudium (wovon er denNamen Medigo erhielt), Astronomie, Mathematik und Metaphysikdagegen als Lieblingsfächer. Mit dem zugleich begabten und ver-schrobenen Pico de Mirandola wurde Leon Medigo kurz vordem Ableben des letzteren bekannt und befreundet.*)

Leon Medigo kam merkwürdigerweise mit Bekannten aus derZeit seiner Jugend, mit spanischen Granden und selbst mit dem KönigFernando, der seine Familie und so viele Tausende in die Verbannungund den Tod getrieben hatte, in nahe Berührung. Er wurde nämlichLeibarzt des spanischen Großkapitüns, Gonsalvo deCordova,des Eroberers und Vizekönigs von Neapel. Der heldenmütige, liebens-würdige und verschwenderische de Cordova teilte nämlich nicht denHaß seines Gebieters gegen die Juden. Er hat der jüdischen Literaturin einem seiner Nachkommen einen Pfleger geliefert. Ws KönigFernando nach Eroberung des Königreiches Neapel (1504) befohlenhatte, die Juden von hier ebenso wie aus Spanieu zu verweisen, Hinter-trieb es der Großkapitän mit der Bemerkung, daß sich im ganzennur wenig Juden im Neapolitanischen befänden, indem die meistenEingewanderten entweder wieder ausgewandert oder zum Christentumübergetreten wären. Die Ausweisung dieser wenigen würde demLande nur zum Nachteil gereichen, weil sie nach Venedig übersiedelnund ihren Gewerbfleiß und ihre Reichtümer dorthin tragen würden.Infolgedessen durften die Juden noch einige Zeit im Neapolitanischen

*) Den Biographen des Leon Medigo (Oa-rmoF, diütoirs äes Usdsoiu»suitd, auch Biographie des Abrabanel in Orar discdnnad It., und Delitzsch.Orient. Literaturblatt Vo. 6 ff.) ist ein wichtiger Punkt aus seinem Leben ent-gangen, nämlich dessen Bekanntschaft mit Pico. Der marranische Arzt AmatusLusitanus, der mit Leons Enkel Jehnda in Satonichi zwischen 15591582bekannt war, erzählt von Leon Medigo folgendes (Lsntnrin VII eniativ 98plednda ^.bradnnelins, mwKni iilins Isbudas sivs Ivsoni8 Vbra-bnustii kintoniei pbilosopbi, gni nodis diviuo8 de ainors dialog '08 soripto»relignu, nepos . . . snprsmnm disni odiit . . . apnd ss librum z'ustm;nmAnitndinis, gnem avns suns eompomrsrat, ressrv-rtnm Imbedat, euide Oosli arinonin titnlns erat, non nisi Ion§obardi8 litsris iu-seriptus, st gnem dunns iile I>so ciivini Ilirancluleusis kiel prsoibusoomposnerat, et ex ejn8 prooemio eiieitnr; gnein lidrum e^o non ssinslpsrourri et legi, et ni mors iiumatnm nsxoti bnie ita praevsusiwt, snmbrevi in Inesin mittels dsorevsiamn8. §8t sank opN8 boo doetissimum,in guo doun8 ills Leon gnautnin in piiiiasopdia vaiebat, satis indioa-vsrut; 8evln8tioo tainsn stilo insoriptum. Die Bekanntschaft Leon Medigosmit Pico steht also fest; sie muß innerhalb der zwei oder drei Jahre 1t9294,zwischen der Einwanderung des erster» in Italien und dem Tode des letzter»,gemacht worden sein. Über seinen angeblichen Übertritt zum Christentumvergleiche weiter unten.