Wanderung der aus Spanien und Portugal Verbannten. 3
in einer geehrten Stellung, von^mannigfachen Kenntnissen und mitreichen Mitteln versehen, ein Spender und Wohltäter der Armen,er mußte für seine Familie um Almosen betteln. Dieser Don David(der III. in der weitverzweigten Familie der Jachjiden) war Predigerin Lissabon gewesen, hatte sich bereits durch zwei Schriften, in Lissabonverfaßt, einen Namen erworben und einen Kreis von Jüngern umsich gesammelt, als ihn der Zorn des portugiesischen Königs Joäo 11.traf. Er war beschuldigt worden, den spanischen Marranen auf Portu-giesischem Boden hilfreiche Hand zur Rückkehr zum Judentum gereichtzu haben. Ein schmählicher Tod war David Jbn Jachsa zugedacht.Indessen rechtzeitig gewarnt, war es ihm gelungen, sich mitse'nerFamiliedurch schnelle Flucht zu retten. Aber den größten Teil seines großenVermögens hatte er durch Konfiskation verloren. In Neapel, wohiner geflohen war, traf ihn, sowie viele seiner Leidensgenossen ein nochhärteres Los.
Es war die Zeit, in welcher der aus Tollkühnheit und Schwächezusammengesetzte König Karl VIII. von Frankreich den hochfliegenden,abenteuerlichen Plan faßte, Italien zu erobern, Griechenland zu unter-werfen, das türkische Reich zu stürzen, einen Kreuzzug anzutreten, umden Ruhm französischer Waffentaten auf dem ganzen Erdenrundeerschallen zu lassen. Es war ihm aber nur gelungen auf kurze Zeit,kaum zwei Jahre, (Febr. 1495 bis Ende 1496), das Königreich Neapelzu erobern, und zwar mehr durch die Verworfenheit und Doppel-züngigkeit der italienischen Fürsten, durch die Intrigen des ver-worfensten aller Päpste, Alexanders VI., und durch die Zerfahrenheitder italienischen Zustände, als durch einen g'ünzendeu Waffengang.Aber diese kurze Zeit genügte, um die vielen südischen Verbannten,welche durch Abrabanels Vermittlung im Neapolitanischen einen Halte-punkt gewonnen hatten, elend zu machen. Die „französische Fliege"hat sie nicht weniger empfindlich gestochen als der „spanische Skorpion".Benahmen sich doch die Franzosen gegen die chr stlichen BewohnerNeapels wie eine zuchtlose Räuberbande, wie durften da die Judenauf Schonung rechnen! Wie Tauben vor den Klauen eines Raub-vogels, so flohen die jüdischen Verbannten vor den Griffen der Fran-zosen auseinander, wenn ihnen die Würger Zeit gelassen hatten, mitZurücklassung ihrer Habe ihr nacktes Leben zu retten. Diejenigen,welche der Wanderungen müde waren, nahmen die Taufe an. DavidJlm-Jachja büßte dabei den aus Portugal geretteten Rest seinesVermögens ein und konnte nur mit Not durch den Verkauf seiner wert-vollen Bücher'ammlung nach der Insel Corfu und von da nachArta (Larta) in Griechenland gelangen. Er wollte nach der Türkeiübersiede^n, konnte aber weder das Schisfsgeld, noch Lebensuuterha'tfür ^eine Familie erschwingen, und) war gezwungen, einen Bettel-
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