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Geschichte der Juden.
ganzen historisch zu sein und haben wohl während Anans Pontificats statt-gefunden. Denn nach der tragischen Katastrophe des Unterganges Jerusalemswar weder Stimmung, noch Gelegenheit für solche Disputationen vorhanden.Dieser Hohepriester Anan hat gewiß die noch vorhandenen Sadducäer undBoethosäer um sich geschart, da er doch bei seiner Reaktion gegen das Phari-säertum die Stütze einer Partei brauchte. Um ihre Interpretation der penta-teuchischen Gesetze und ihre praktische Anwendung apologetisch zu begründen,hat die sadducäische Partei oder richtiger die Schriftgelehrten derselben gewißmit ihren Gegnern disputiert, und diese haben wohl ihren kundigsten Verfechter,eben R. Jochanan b. Sakkal, zum Opponieren gewählt. Das gab Veranlassungzu den tradierten Disputationen mit Sadducäcrn, die eben dadurch historischeSicherheit erhalten.
V. Matthia l>. Thcophil II.
In der talmudischen Tradition wird noch von einem anonymen Hohen-priester eine Äußerung überliefert, für welche sich der historische Hintergrundermitteln läßt. Jeder Hohepriester pflegte bei der Darbringung des Räucher-werkes im Allerheiligsten am Versöhnungstage ein Gebet zu sprechen. DiesesGebet sollte nur kurz gehalten sein, um die im Tempel harrende Menge nichtzu erschrecken, daß ihm etwas zugestoßen sei, weil er länger bei der Funktionweile'). Dabei erzählen die Tosefta und auch die beiden Talmude: Ein Hoher-priester habe einst länger als gewöhnlich im Allerheiligsten dabei verweilt,und habe, als er deswegen interpelliert worden, erwidert: „Ich habe füreuren Tempel gebetet, daß er nicht zerstört werde""). Diesen Aus-druck mutz man befremdlich finden. Warum denn nur „für euren Tempel"?War das Heiligtum nicht eben so gut das seinige, wie das des ganzen Volkes?Man wird schwerlich in der einschlägigen Literatur eine Analogie zu dieserkühlen Ausdrucksweise finden. Und überhaupt, wie kam denn dieser Hohepriesterdarauf, für die Unverletzlichkeit des Tempels zu beten? Es muh also damalsdie Gefahr für den Untergang des Heiligtums nahe gewesen sein. Das führtuns in die Zeit des Krieges gegen die Römer. Die Friedensfreunde habenvon Anfang an gegen die Revolution und den Krieg geltend gemacht, daß derBestand des Tempels auf dem Spiele stehe. Der vorletzte HohepriesterMatthia,Sohn Theophils II. (aus der Familie Boöthos), gehörte zu den Römersreunden.Er wurde während des Terrorismus, welcher sich in Jerusalem seit dem Fallder galiläischen Festungen und Josephus' Übergange zu den Römern gegen alleLauen richtete, abgesetzt (Jos. j. Kr. III, 3, 7 vergl. o. S. 738). Einer seinerSöhne war zu den Römern entflohen. Später fädelte er noch mit anderenhohenpriesterlichen Aristokraten die Jntrigue ein, den wilden Simon bar Gioranach Jerusalem einzuladen, um ihn gegen die Zeloten aufzustacheln, und durchdas Übermaß der Anarchie und der Zwietracht eine Gegenrevolution herbei-zuführen und den Römern die Tore zu öffnen. Matthia wurde nicht lange
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