750
Geschichte der Juden.
Talmud die Identität dessen, der am Versöhnungstage offen die sadducäischeTheorie geltend gemacht, mit dem, der es bei der Funktion der roten Kuhgetan hat, angenommen hat. Das, was die talmudischen Quellen erzählen, daßdie späteren Saddueäer nicht gewagt haben, ihrer dissentierenden Theorie Folgezu geben, bestätigt Josephus. Er referiert*): „Von ihnen (den Sadducäern)wird fast nichts ausgesührt. Selbst wenn sie zur Macht gelangen, fügen sie sichdem, was der Pharisäer spricht, wenn auch ungern und mit Überwindung, weilsie sonst von der Menge nicht geduldet werden würden". Nach Beendigung desKampfes unter den sadducäischen Fürsten haben also die Saddueäer nicht gewagt,offen ihrer Theorie Geltung zu verschaffen. Es gehörte also eine besondereKühnheit dazu, wenn ein Hoherpriester der pharisäischen Lehre Opposition ge-macht hat, und diesen Mut besaß einzig und allein der Hohepriester An an,Sohn des Anan, kurz vor dem Ausbruch der Revolution.
Josephus erzählt nämlich von diesem ausdrücklich, daß er als Hoherpriesterdie sadducäischen Grundsätze betätigt habe. Er sei nämlich sehr kühn undwagehalsig gewesen. Ale er nach dem Tode des Landpflegers Festus, ehenoch dessen Nachfolger Albinus in Judäa eingetroffen war, von dem KönigeAgrippa II. zum Hohenpriester ernannt worden war, habe er es für gelegengehalten, ein Tribunal von sadducäischen Richtern eivzusetzen, um diejenigen,welche die pharisäischen Richter wegen ihrer milden Auslegung der Strafgesetzeverschont hatten, anklagen und steinigen zu lassen^). Josephus spricht zwarnur von strafrechtlichen Vollstreckungen in sadducäischem Sinne; aber es läßtsich denken, daß, wenn dieser Anan in bezug darauf die sadducäische Strengehat walten lassen, cr um so mehr bei den Funktionen, die ihm selber alsHohenpriester oblagen, die sadducäische Theorie zur Geltung gebracht habenwird, also bei der Darbringung des Räucherwerkes am Versöhnungstage undbei der Veranstaltung für das Gewinnen der Asche von der roten Kuh. Josephus,der für Römer und Griechen geschrieben hat, überging wohl bei der Erzählungvon Anans Sadducäismus alles, was für solche Leser unverständlich gewesenwäre. Anan, Sohn des Anan, war also der Hohepriester, der offen Oppositiongegen den Pharisäismus gemacht und sich dessen gerühmt hat, was seineGesinnungsgenossen aus Furcht niemals gewagt haben. Allerdings die Sagevon dem Ende dieses sadducäischen Hohenpriesters paßt nicht recht; denn Ananlebte noch mehrere Jahre und kam erst in der Revolution um. Nichts destoweniger weisen einige Züge in der Sage selbst von dem Ende eines sadducäischenHohenpriesters ebenfalls auf diesen Anan hin.
Josephus erzählt nämlich weiter von diesem Hohenpriester, er habe nurdrei Monate fungiert. Denn Agrippa habe ihn auf die Klagen der achtbarenMänner Jerusalems und besonders derer, welche es mit dem Gesetze (derThora) genau nahmen («at r« roö? abgesetzt. Diese
Josephus Altert. XVIII. I, 4: (rlH
->' l>n oc? « cda^>ro»7oc 7//? 5 . öt« rö
«Ilm? avexrovc /kp/aAn- iwkc ? o ,
Das. XX, !>, I i 0 cke stcrmlkös /iti' rüv '/(üar/nov rhv