141
Stimme, „das wäre leicht! vielleicht ist es die Wahl nicht weniger,die er mir läßt. Er wollte von mir haben/' fuhr sie fort, währendihre Stimme unter dem Bewußtseyn des Entehrenden eines solchenVorschlages sank, „daß ich ihm in die Wildniß folge, mit ihm zuden Behausungen der Hnrvnen gehe und dort bleibe: kurz, daß ichsein Weib werde! Sprich denn, Alice, theures Kind, Schwestermeiner Liebe! Und auch Sie, Major Heyward, helfen Sie meinerschwachen Vernunft mit Ihrem Nathe auf. Darf man das Lebenmit einem solchen Opfer erkaufen ? Willst du es, Alice, ans meinerHand um solchen Preis empfangen? llnd Sie, Duncan, leiten Siemich! Verfügt über mich! Euch gehöre ich ganz!"
„Wie?" rief der Jüngling voll Unwillen und Erstaunen.„Cora! Cora! Sie spielen mit unsrem Jammer! Sprechen Sienicht mehr von dieser entsetzlichen Wahl. Der Gedanke schon istschrecklicher als tausendfacher Tod!"
„Daß Sie so antworten würden, wußte ich!" rief Cora, wäh-rend ihre Wange erröthete und ihre dunkeln Augen noch einmalvon einer Aufwallung erglänzten, wie sie dem Weibe natürlich war.„Was sagt meine Alice? Ihrer Entscheidung will ich mich ohneMurren unterwerfen."
Beide, Heyward und Cora, horchten mit peinlicher Erwartungund mit der gespanntesten Aufmerksamkeit, aber keine Antworterfolgte. Es schien, als sey die zarte und gefühlvolle Alice, nach-dem sie diesen Vorschlag gehört, vernichtet in sich selbst zurück-gesunken. Ihre Arme hingen herab, die Finger bewegten sich inleichten Zuckungen; ihr Haupt war auf ihren Busen gesunken, undihre ganze Gestalt schien, ohne eigene Kraft, nur durch ihre Bandeam Baume aufrecht erhalten zu werden, gleich einem schönen Sinn-bilde verwundeten Zartgefühls ihres Geschlechtes, scheinbar ohne Lebenund doch noch des Lebens sich bewußt. In wenigen Augenblickenbegann jedoch ihr Haupt sich langsam zu bewegen mit dem Zeichender innersten, unbezwinglichsten Mißbilligung.