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was er nicht oder wenigstens nicht so sagen konnte,das erwartet man in weiblichen Gedichten.
So betrachteten alle gebildete Nationen dieSache; wenn wir Deutsche sie anders betrachten,und im literarischen oder im wirklichen Umgänge nurEinen Ton, Eine Form (natürlich ist dies unsreeigne), haben wollen, so ist dies, aufs lindeste zusagen, ein „Unbenehmen," das selbst jede Uebcrlc-gung ausschließt. Da Ein Geschlecht nicht stattdes andern Daseyn oder an seiner Stelle, inseiner Wci'c wirken kann und soll, vielmehr beideauch im Umfange des Geistes, in Bildung der Cm»pfindunqcn, der Grundsätze und Sitten, einanderan die Hand gehen, einander in die Hand arbeitenmüssen: so zeigt die Geschichte gnugsam, daß inGriechenland und Italien, in Frankreich und Eng-land auch weibliche Hände zum Altar der Grazienmit beigetragen, d. i. zu Bildung und Feinheit derSprache, des Geschmachs, der Sitten, der Phanta-sie, ja der praktischen Grundsätze selbst, die weib-liche Muse mitgeholftn habe. Woraus aber auchfolgt, daß weibliche Gedichte Männern schlechthinund ohne Ausnahme absolute Muster wederseyn können, noch seyn wollen. Ein Jüngling , derdas Weib nachahmt, das er doch nie darstellcn kann,ist dem Weibe selbst verächtlich, so wie dem Manndie Henne widrig ist, die wie ein Hahn kräht.
Nach so geschiedenen Grenzen der männlichenund weiblichen Poesie, blühen die Gedichte unsrerVerfasserin in einem schönen Garten. Sie tritt nieüber die Grenzen ihres Geschlechts hinaus; ihre