III. Recen fronen. 36 ^
welcher Wunsch ihr ober nicht, oder zu spät erfülltwurde.
Merkwürdig ists, daß unter den Empfindungen,die diese Muse sang, sich die schmelzende,Sa pp hi sehe Liebe nicht finde; in dieser Hin-sicht konnte sie also wohl nicht Sappho heißen. Nir-gend weniger, als in den Garten des Adonis hattesie ihre besten Jahre verlebt; alle Lasten und Qua-len der Ehe hatte sie kennen gelernt, aber keineFreud.n der Liebe. Und wollen Empfindungen derzartesten Art nicht in den frühesten Jahren gewecktseyn? Erfordern sie nicht eine weiche, vielsiichrüppige Bildung der Seele, die sich mit dem wildenFeuer d.r Phantasie oder mit Noch und Kummeram wenigsten vertragt? Nach dem Fragment zuurthcilen, das wir vom Pindar (beim AthcnauSB. i3,) üb.r die riebe haben, besang auch Er dieLiebe ohngcfahr in unsrer Dichterin Weise. DieFlamme glänzt, brennt, und leuchtet; aber sie er-wärmt nicht, sie kann nicht zerschmelzen. Die Ga-ben der Neusen sind mancherlei. —
Nähern wir diesen Reichthum dichterischer Ta-lente einer sogenannten Kunstregcl; wohin wer-den wir die Karschin stellen? Denn einen Zunfk-rang muß sic bekommen nach deutscher Artund Kunst.
Das Hora zische Kunstfach wird gegen siepcolcstiren; und wie konnte man es von einer alsoerzogenen Sängerin fordern oder hoffen, daß die
HerdcröW.Lit.».Kunst, XIII.
Aa