J36 IH. Rccensionen.
aus den vornehmsten Stücken dieser Sammlung diefeinsten Regeln des Affects und eine Theo-rie der Ode abgezogen werden, die wir vielleichtnoch nicht haben. Die meisten Oden des zweiten,und einige des dritte'n Buchs sind horazisch: dienachgeahmten Steilen in so vortrefflicher Maniernachgeahmt — und sonst muß der Rec. bekennen,daß ikn die meisten Odengesetzc, die man als solchein Lehrbüchern und Eritiken gang und gäbe gemacht,sehr willkührlich dünken. Sie sind fast nur, undnur aus dem kleinsten Theile des Hora; abgezogen,wurden auf Pindar, David, Hafiz, alleAraber und wenn man will, auch Engländer,angewandt, den meisten den Hals brechend, undwenn man sie so sicher für die einzige Ordnungund Gesetze der begeisterten Einbildungskraft an-giebt: woher als solche bewiesen? Hat diese nicht
vielmehr bei jedem Gegenstände ihre eigene Artzu handeln? Die Eigenschaften, mit denen siehandelt, sind sie nicht entweder so wandelbar,oder aber so allgemein, daß man alles unter siesubsumircn kann, was man will? Und ich wüßteüberhaupt nicht, warum nicht die Ode sich von ei-ner kleinen poetischen Phantasie, wo csder Gegenstand crfoderte, gleichem von einein Seuf-zer und einzelnen Ausbruch zum planvollstenGebäude erheben konnte? Singt Nachtigall undLerche immer gleich? gleich lang? und nach EinerMelodie?
Ware es also auch, daß man hier manche Stücke,insonderheit des ersten Buchs an Gott für bloße
Tiraden