Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 13 (1821) Nachlese
Entstehung
Seite
320
Einzelbild herunterladen
 

320

II. Andenken cm einige

cxistiret, siche, so ist da im Innern dein Maaßvon Frist und Raum; dahin du alle Zuschauerzaubern, dass du Allen aufdringen mußt, oder dubist was ich gesagt habe, nur nichts weniger,als dramatischer Dichter.

Sollte eK denn jemand in der Welt brauchendcmonstrirt zu werden, dass Raum und Zeit eigent-lich an sich nichts, dass sic die relativste Sache aufDaseyn, Handlung, Leidenschaft, Gcdankenfolge undMaass der Aufmerksamkeit in oder ausserhalb derSeele sind? Hast du denn, gutherziger Ukrstellcrdes Drama, nie Zeiten in deinem Leben gehabt, wodir Stunden zu Augenblicken und Tage zu Stun-den; Gcqentbeils aber auch Stunden zu Tagen, undNachtwachen zu Iabren geworden sind? Hast dukeine Situationen in deinem Leben gehabt, wo deineSeele Einmal ganz außer dir wohnte, hier in die-sem romantischen Zimmer deiner Geliebten, dortauf jener starren Leiche, hier in diesem Drückendenäusserer, beschämender Notb jetzt wieder überWelt und Zeit hinausflog, Raume und Weltgegen-den überspringet, alles um sich vergaß, und imHimmel, in der Seele, iin Herzen dessen bist, des-sen Existenz du nun empfindest? Und wenn das indeinem tragen, schläfrigen Wurm- und Baumlebenmöglich ist, wo dich ja Wurzeln gnug am tobtenBoden deiner Stelle festhalten, und jeder Kreis,den du schleppest, dir langsames Moment gnug ist,deinen Wurmqang auszumessen nun denke dichEinen Augenblick in Eine andre, eine Dichterweltnur in einen Traum? Hast du nie gefühlt, wie im

Traum