3rg. II. Andenken an einige
und Wo? und Wann? weaschneiden lassen, ohnedaß die ganze Vorstellung seiner Seele litte? Daist nun Shakespeare der größte Meister, eben weiler nur und immer Diener der Natur ist. Wenner die Begebenheiten seines Drama dachte, im Kopfwalzte, wie walzen sich jedesmal Ocrter und Zeitenso mit umher! Aus Scenen und Zeitlausten allerWelt findet sich, wie durch ein Gesetz der Fatalität,eben die sicher, die dem Gefühl, der Handlung,die kräftigste, die idealste ist; wo die sonderbarsten,kühnsten Umstande am meisten den Trug der Wahr-heit unterstützen , wo Zeit - und Ortwechsel, überdie der Dichter schaltet, am lautesten rufen: „hier
ist kein Dichter! ist Schöpfer! ist Geschichte, derWelt!"
Als z. E. der Dichter den schrecklichen KönigS-mord, Trauerspiel Macbeth genannt, als Fak-tum der Schöpfung in seiner Seele wälzte — bistdu, mein lieber Leser, so blöde gewesen, nun inkeiner Scene, Scene und Ort mit zu fühlen —wehe Shakespeare, dem verwelkten Blatte in deinerHand. So hast du nichts von der Eröffnung durchdie Zauberinnen aus der Haide unter Blitz unbDonner! nichts nun vom blutigen Manne mit Mac-beths Thaten zur Borbschafc des Königes an ihn,nichts wider die Scene zu brechen, und den pro-phetischen Aaubergeist zu eröffnen, und die vorigeBothschast nun mit diesem Gruffe in seinem Hauptzu mischen — gefühlt! Nicht sein Weib mit seinerAbschrift des Schicksalsbriefes in ihrem Schlosse wan-dern sehen, die hernach wie graucrlich anders wan-dern wird! Nicht mit dem stillen Könige noch zu