ältere deutsche Dichter. 3c-r
der Hcldenzeit, Glaube, selbst Musik,Ausdruck, Maas der Illusion wandelte:und natürlich schwand auch Stoff zu Fabeln, Gele-genheit zu der Bearbeitung, Anlaß zu dem Zwecke.Man konnte zwar das Uralte, oder gar von andernNationen ein Fremdes herbei holen, und nach dergegebnen Manier bekleiden: das khat Alles aber nichtdie Wirkung: folglich war in Allem auch nicht Seele:folglich wars auch nicht (was sollen wir mit Wor-ten spielen?) das Ding Mehr. Puppe, Nachbild,Affe, Sraküe, in der nur noch der andächtigsteKops den Dämon finden konnte, der die Statue be-lebte. Lastet uns gleich (denn die Römer waren zudumm, oder zu klug, oder zu wild und unmäßig,um ein völlig gräcifircndes Theater zu errichten)zu den neuen Atheniensern Europens übergehen, unddie Sache wird, dünkt mich, offenbar.
Alles was Puppe des griechischen Theaters ist,kann ohne Zweifel kaum vollkommener gedacht undgemacht werden, als cs in Frankreich geworden. Ichwill nicht blos an die sogenannten Theaterregeln den-ken, die man dem guten Aristoteles beimisst, Ein-heit der Zeit, des Orts, der Handlung,Bindung der Scenett, Wahrscheinlich-keit des Brettergerüstes, u. s. w. sondernwirklich fragen, ob über das gleißende, klassischeDing, was die Eorneille, Racine und Vol-taire gegeben haben, über die Reihe schöner Auf-tritte, Gespräche, Verse und Reime, mitder Abmessung, dem Wohlstände, demGlanze — etwas in der Welt möglich sey? DetVerfasser dieses Aufsatzes zweifelt nicht blos daran,