Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 13 (1821) Nachlese
Entstehung
Seite
299
Einzelbild herunterladen
 

ältere deutsche Dichter, 399

sondern sie vervielfältigten: Aeschvlus denChor, Sophokles den Aeschvlus, und mandarf nur die künstlichsten Stücke des letztem, und seingroßes Meisterstück, den Oedipus in Thebe gegenden Prometheus, oder gegen die Nachrichtenvom alten Dithyramb halten: so wird man dieerstaunliche Kunst sehen, die ihm dahinein zu brin-gen gelang. Aber niemals Kunst aus Vielem einEins zu machen, sondern eigentlich aus Einemein Vieles, ein schönes Labyrinth von Sccncn, woseine größte Sorge blieb, an der verwickeltsten Stelledes Labyrinths seine Zuschauer mit dem Wabn desvorigen Einen umzutauschen, den Knäuel ihrerEm-psindnngen so sanft und allmahlig los zu winden,als ob sie ihn noch immer ganz hatten, die vorigeDithyrambische Empfindung. Dazu zierte er ihnendie Scene aus, behielt ja die Chore bei, undmachte sie zu Ruheplätzen der Handlung, erhieltAlle mit jedem Wort im Anblick des Ganzen, inErwartung, in Wahn des Werdens, des Schon-Habens, (was der lebrrciche Euripides nachhersogleich, da die Bübne kaum gebildet war, wiederverabsäumte!) Kurz, er gab der Handlung (eineSache, die man so erschrecklich mißverstehet)Größe.

Und daß Aristoteles diese Kunst seines Ge-nies in ihm zu -schätzen wusste, und eben in Allemfast das Umgekehrte war, was die neuern Zeitenaus ihm zu drehen beliebt haben, müßte Jedem ein-leuchten, der ibn ohne Wahn und im Standpunkteseiner Zeit gelesen. Eben daß er Thespis undAeschylus verließ, und sich ganz an den viel-