ältere deutsche Lichter. 247
Achter Brief.
Der zweite Dichter, den ich aus den unmittel-bar vor Opitz vorhergehenden Zeiten nennen wollte,ist Georg Rudolph Weckhcrlin, von dessenLeben ich mehr zu wissen wünschte. In der Vor-rede seiner Gedichte *) klagt er , daß sein väterlichesErbgut durch den unmenschlichen Krieg, in seinesBruders Händen zu Stuttgard und Blochingen, mitihm selbst und seinem Vaterlands, auch viele seiner(Rudolph Weckhcrlin s) hinterlafsenen Schrif-ten und Gedichte zu Grunde gegangen. Er führtan, daß die, denen er gnug bekannt gewesen, cswohl wissen, daß er vor dreißig, ja mehr den vier-zig Zähren der deutschen Sprache Reichthum undZierlichkeit den Fremden durch seine Gedichte vorAugen gclegct. Die Buhlerlieder, die er sehr jungverfertiget, scyn längst verlohrenandre Stücke,sonderlich etliche ovidisthe Fabeln scyn ihm in Frank-reich und England entführt; die übrigen, Sonnereund Buhlereien scyn in Deutschlands Feuer undAs he gerathen und also als seiner jungen ThorbeitFunken zu nichts worden; inmaßcn cs denn gewißsey, daß
*) G. R. Weckherlins geistliche und weltliche Ge-dichte. Amsterd. 06. in 12.