2^6 II. Andenken an einige
Liebliche Liebe, wo bist du bei uns verborgen,
Daß wir dein Saft und Kraft nichr schmecken heut noch
morgen?
Die Welt thust du erfüllenMit süßem Honigseim,
Das größte Leiden stillenDurch deinen milden Schein.
Innige Liebe, wo bist du bei uns verschlossen,
Daß wir zu deiner Treu uns schicken so verdrossen?Alles kannst du verbinden,
Was irgend ist zerstreut,
In dir ist Alls zu finden,
Was Menschenherzen freut.
Stetige Liebe, wo bist du bei uns verlohrcn,
Daß du, Standhafteste, nie kommst vor unsre Ohren?,D» mußt den Bund erhaltenDen Bund der Menschenpflicht:
Den Liebe mag nicht alten,
Die Treu kann rosten nicht.
Tröstliche Lieb', wohin bist du bei uns vertrieben?
Daß. uns dein Muth nicht stärkt, wie viel auch ausger,
schrieben.
Du nimmst dem Kreuz sein Gewichte,
Du nimmst dem Kelch die Galt,
Daß sich ein Christ aufrichte,
Stärk mit den Brüdern all — u. s.