ältere deutsche Dichten
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Sechster Brief:
Warum ich von den Meistersängern noch nichtgesprochen? Weil sic mir oft herzliche Langeweilegemacht haben. Sic sangen dicht hinter den Schwä-bischen Dichtern an, und cs ist nicht zu laugncn,daß ein Theil dieser schon Meistersängcrei enthalte;je mehr aber dies Zunftwesen mit der Zeit zunahm,desto unbarmherziger sangen die Meister. Da ihreganze Kunst aus Weise, d. i. auf Melodie gestelletwar, und Tonlose Handwerker hierin wohl nicht vielGutes erfinden konnten: so wurden in kurzem die
Morgenrot!)- und Abcndröthwcisen so gedehnt, solangweilig, daß ich mir bei den meisten nur denTuchmacher, Schneider und Schuster denken kann,der seinen Faden lang und kurz ziehet. Da ist auchkein SeelerKebender Ton , keine Gegenwart der Din-ge, kein plötzlicher begeisternder Äugenblick; (dennwie konnte dcr in ihre Zünfte gelangen?) merklich;Christi Geburt und Auferstehung, der heil. Geistund geistlose Schwanke werden zu einem langenSeil gesponnen, und nach Hnndwerksgebrauch ver-drehet. Viele ihrer Melodieen sind zum Einschlafen;die schönste Sage, das niedlichste Mahrchcn wirdein Handwerkslied, so tcödelhaft; aß es weder Ge-sellen noch Kinder singen mögen.
HerdcrsW.Lltm. Kunst. XIII. P