Dichtung und Fabel. 16g
und Empfindungs weisen im wohlklin-gendsten Ausdruck.
Jeder, der die Dichtkunst liebet, hat seine Lieb-lingsdichter; wer wünschet sich aber bei diesen nichtmanche Stücke weg? An andern nahm er wenigerTbcil; und vielleicht die wenigsten wurden seineGedanken- und Empfindungs weisen.So manches z. B. hat man mit Recht und Unrechtan Horaz getadelt; einige seiner Stücke aber, inandern einzelne Sentenzen und Strophen sind undbleiben allen Nationen die Licblingscadenzcn ihresOhrs, die Sittensprüche ihrer Muse des Lebens.Skaliger, der über mehrere sehr frei urthcilet,fand einige, die ihm alle Hoffnung, dergleichen hcr-vorzubringen, nahmen; und unter allen zwei, die„süßer als Ambrosia und Nectar," er lieber com-ponirt haben wollte, als alle Pytkischcn und Nemei-schcn Oden Pindacs, ja um deren Eomposition er,König in Spanien zu scyn, gern aufgäbe; cs sinddie Oden. tu lVlelxonrens, und Ooner
xratus srsut tiki. 'Andre werden mit mindermEnthusiasmus andre wählen ; kein alter Dichter aberhat auch unter Männern von Geschäften so viel Lieb-haber gehabt, und sich erhalten als Horaz. Inihm wohnt die Grazie des Lebens. — So dieIrrischcn Dichter andrer Nationen. Der Gesang man-cher verhallete; gewähltere, schönere Formen der Em-pfindung , angemessenere Gedankenweiscn löseten dievorigen ab, die indeß zu ihrer Zeit auch nicht ohneVerdienst waren. Aus Liedern der besten Dichterverlieren sich Strophen, die man nicht mehr singet;und überhaupt hat alles, was zur Sprache gehört,