Dichtung und Fabel. i63
Dichters, die zu dieser Classc gehören, ctthmen denHauch einer himmlischen Muse.
Ich würde, da ich von Lesbiern zu reden an-fing, auch die sogenannte Lesbische Regel zugebrauchen scheinen, wenn ich mehr in's Einzelneginge; der Lesbischen Regel nämlich ward derVorwurf gemacht, daß sie, statt Dingen ein Maaszu seyn, sich selbst den Dingen anmesse und be-queme. Nur sieben Töne hat die Tonkunst; dieMclodieen aber, die Gange und Modulationen, dieinnerhalb dieser Intervalle von einem glücklichenKünstler hcrvorgcsunden werden; wer könnte, werwollte sie zählen ? Der unglücklichste ist der, derregelmäßig immer auf derselben Saite umherirrct,und keine, als die Melodie der alten Langen-weile herausfindet. Neuheit gefallt, das Uner-wartet-Vortreffliche entzückt; Scherz und Graziewollen nichts Gemeines.
Drittens. Hiemit kommen wir auf die Wir-kung zurück, die Horaz den Gefangen Alcausund der Sappho, selbst im blutlosen Schatten-reiche zuschreibt. „Sic waren werth derheiligen Stille, die um sie herrschte.Beiden Sängern horchte bewundernddie Schaar; enger aber drängte siesich zusammen, Schulter und Schul-ter, wenn Alcaus sein Lied san g." Sagtuns diese schöne Fabel nicht manche treffende Wahr-heit?
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