Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 13 (1821) Nachlese
Entstehung
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

I. Ucbcr Bild,

i6o

schleudert. Tausend brechen sich hinter ihr, undihre Kraft war doch nicht vergebens. Es giebt ei-nen edlen Unmuth , vielleicht die höchste Sum-me der Menschenfreundschaft; der eben deshalb sichweder in Aristophanischen Scherz, noch in Archilo-chische Satprcn auflöset, sondern wie die Musedes Trauerspiels, oder wie die gcwaffnctcPallas mit ernstem Blick dasteht, und zürnet.Diese Odcngattung ist von einer fürchterlichenGrazie (cHy beseelt; je stiller und ge-

haltner ihr Zorn ist, desto starker trifft ec. Nochstehen jene ernste Gestalten der Vorwelt, die manPropheten nannte, vor uns; Alcäus drohende,Stc sicheruS schwere Kamöne ist zwar verschwun-den , aber auch im höflichen H 0 raz sind seine stra-fenden Oden gewiß nicht die schwächsten. In Uzund Klop stock sind Stücke voll so edlen patrioti-schen Unmuths, daß sie, obgleich zum Theil vorfünfzig Jahren geschrieben, noch jetzt von sammt-licher deutscher Jugend auswendig gelernt werdensollten. Und wenn ich dieser Reihe patriotischerMänner meinen Dichter bescheiden zugesellen darf:in ihm sind Oden des Mut Hs, des Entschlus-ses, des edlen Unmuths enthalten, die ihn desNamens eines deutschen Alcäus wohl werthmachen möchten. Allenthalben drangt er zum Ziel,und setzt das Gcmüth in sich selbst fest; bereitetMuth im Unglück, unauslöschbaren Haß gegenFrevel, Willkühr und Sittenverderbniß, ohne sichdennoch freche Anzüglichkeit zu erlauben. Bon demstärkenden Tranke, den er uns darrcicht, werdenunsre Augen wacker, unser Herz frisch: denn er ist

geschöpft