Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 13 (1821) Nachlese
Entstehung
Seite
143
Einzelbild herunterladen
 

Dichtung und Fabel.

der griechischen Kunst, Linus, Musaus, E u-molpus, Homer und wer das Saitenspiel jewürdig berührte, nehmen an diesem höchsten, un-sterblichen Ruhm, die Menschen menschlichgemacht zu haben, Antheil. An der Lyraentstand der Hymnus, die Epopee; an Ho-mer bildeten sich Dichter, Weise, Gesetzge-ber, Philosophen, Künstler. Aus lyrischenGesängen entstand das Drama. Gesang cultivirtedie Grieche» an Festen, an Altären , bei öffentlichenSpielen, auf dem Schlachtselde, und an der Tafelder Freude. Gesang folgte ihnen bis in's Todt.n-reich nach, und milderte dort die Schrecken deSOrkus. Was also je Gutes von der Cultur derGriechen andern Völkern zu Theil geworden ist,hatten jene ursprünglich der Lyra zu danken.

Vom wohlthatigen Einfluß des Horaz aufdie Bildung der Nachwelt ist schon geredet worden.Er, Boethius und wenige andre wurden auch inden dunkelsten Jahrhunderten gelesen, und streueteneinen Schimmer auf die Nacht hin. Mehrere, de-nen Virgil zu lang, zu trocken, zu ernsthaftwar, lasen Horaz in seiner kürzeren, lieblichenWeise.

Selbst die christliche Poesie, so schlechtsic in den mittleren Zeiten war, sie hat ihre Wir-kung aus menschliche Seelen nie verfehlet. DieHymnen der Kirchenvater, die Kirchenlieder, diePassionsgesange haben von Alters her mehr gewirkt,als Predigten und gelehrte Commentare.