1 Z 2 I. Ueber Bild,
es nicht ein Wortspiel zu seyn schiene, würde ichihn des schönen Inhalts seiner meisten Oden wegenssurnanae sickiuen 1)'rao nennen. Er verdient denKranz der Unsterblichkeit, den ihm die Muse reichte,Kraft dessen der Klang seiner Eicher so viel edleSeelen mitten in der Nacht einer dunkeln Barbareigeweckt hat, und sie auf Schwanenflügcln des Ge-sanges in eine beßre Region trug. Unser Dichtergehört auch unter diese Erweckten; daher er semenHoraz schön preiset. *) Auch wir wollen ihm Kranzewinden, wenn es unsrer Hand gelinget. Die neuereTheorie der Oden ist meistens nach seinem Mustergebildet.
Unter allen jetzt blühenden cultivirtcn SprachenEuropa's ist es die untere, die sich, frei von denFesseln des Reims, und zwar nicht in unprosodi-schen Declamationen, sondern in den Sylben-maasender Alten selbst ihrem lyrischen Ge-sänge hat nachschwingcn mögen. Ein unverkennbarerVorzug, der sic uns wcrth machen sollte. Und werist's, der ihr zu diesem Aufschwünge geholfen? Un-dankbar wäre cs, den Namen des Mannes zu ver-schweigen, der gcthan hat, was achtzehn Jahrhun-derte vor ihm nicht thaten, Klopstock. Mit leich-ter Hand machte er das Ei Eolumbus stehend,von dem man grammatisch erwiesen hatte, daß esnicht stehen könne, weil cs keine xeävs habe. DurchWort und That hat er es dahingebrachl, daß mancheschwergereimte, ehemals hochgepriesene Ode uns jetzt
*) S. 65.