Print 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 13 (1821) Nachlese
Place and Date of Creation
Page
123
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
 

123

Dichtung und Fabel.

cbore also begleitete den Tan; , sie belebte diePhantvmime; ihr Rhythmus bezcichnete das Maasjeder Bewegung, ihre Tone drückten die Geberde, dieLeidenschaft, die Empfindung aus, die das Gcmahldeallein nicht ausdrückcn konnte. So geselleten sichdie Musen; Eine ward die Bezeichnen», die Spre-cherin der Lindern.

Wie arm ist die Welt eines Blindgebor-nen! Er Hort Töne von Bewegungen der Ge-stalten, die er nicht stehet; er lebt in einemdunkeln Grabe. Wie arm ist aber auch die Welteines Taubgebornen! Er steht Gestalten undBewegungen, deren Inneres er durch ihre Tönenicht vernimmt; er lebt in einem stummen Grabe.Der Geist des Weltalls erfand eine glückliche Orga-nisation , in der sich beide Sinne, beide Weltenverbinden. Was sich beweget, tönt; was lebt, be-weget sich und verkündigt sein Daseyn; so ward dieSchöpfung für den durch beide Sinne Empfinden-den gleichsam ein lyrischer Hymnus.

Man gehe die ältesten Hymnen durch, die derMenschliche Geist ersann, und seine Brust ausströmte;sie sind Lobpreisungen der Natur, inwelchen Laub und Baum, Bach und Strom, Windund Hauch, alle Elemente tönen. Wer in wildenoder in sausten Sccnen des Jahres und Tages jediese S y m p h o n i e der Natur empfand, und dengroßen Eoncent des Sicht- und Hörba-ren rings um ihn her in stiller Einsamkeit be-lauschte ; unwillkührljch vielleicht gerieth er selbst indiesen Strom des Wohllauts, des Ausammcnklangesder Schöpfung, also daß Davids, Miltons,