Dichtung und Fabel.
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Dramatische und Kirchenmusik sind vcn einander bei-nahe so unterschieden, wie Ohr und Auge. -
Hieraus crgiebt sich aber auch, daß Eine dieAndre nicht schmähen, oder »erachten sollte: denn
sie sind und bleiben, obwohl sehr ungleiche, Schwe-stern. Es war Natur der Sache, daß aus derKirchenmusik dramatische Musik entstand, so wie beiden Griechen aus dem Chor und Dithyramb dieTragödie ward, und diese in natürlichen Stufenfortgieng. Es war Natur der Sache, daß die dra-matische Musik »ielcs gewann, wozu sie im Heilig-thum nie kommen konnte, insonderheit, ich mochtefast sagen, sichtbare Bestimmtheit. SieMußte an einer vorgcstclltcn Handlung Thcil neh-men , diese »orbekciten, leiten, ausdcückcn helfen;tändeln und lachen, sogar niesen und gähnen mußtesic lernen. Da sie einzelne Charaktere ausdrücken,individuelle Situationen zu beleben hatte: so wardsie auf's feinste und lebhafteste charakteristisch. Dießalles lag außer den Grenzen der heiligen Tonkunst;sie vergiftete sich selbst, wenn sie nach solchen ver-botenen Früchten greifen wollte. Dafür aber bliebihr ihr Baum des Lebens um so sicherer, die reinea l l g e me i nme n sc h li chc Rührung; die dra-matische Tonkunst selbst mußte nach seinen Blätternund Blüthett greifen, wenn sie aus's Her; des Men-schen , nicht blos auf Auge und Ohr wirken wollte.Wie oft schließen wir unser Auge bei einer schönenMusik des Theaters, und mögen die Gcbcrden desSängers, die Reitze der Sängerin nicht mit ihrverbinden! Wie oft trennen wir einen Gelang desHerzens von der ganzen Scene, in der er gesungen