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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 13 (1821) Nachlese
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109
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Dichtung und Fabel. 109

4. Die Recitative können in der Kir-chenmusik nichts als die Stelle der Lec-tionen vertreten; sic müssen also nur einge-streuet werden, dabei äußerst einfach, kräftig undkurz seyn. Sind uns die Evangelien nicht bekannt?lies't sie der Lector nicht vor dem Pult? und wirwollten uns damit aushelfen, daß wir ihre einfachenWorte, an denen die Wahrheit der Erzählung haf-tet, mit fremdem, rhetorischen oder poetischen Schmuckverbrämen? Durch dieß beschwerliche Kunststückerreichen wir nur Eins, daß wir mit vieler Mühein langen Phrasen unmusikalisch sagen, was ansich in seiner alten evangelischen Erzählung größtcn-thcils sehr musikalisch gesagt war: denn es ist nichtzu bergen, daß der historische Styl der Bibel, sowie Ossi an, ja jede von Kindern und einfachenVölkern erzählte Geschichte der Musik viel empfäng-licher ist, gls unsre künstlichsten Necitativ-Perioden.Die ältere Kirche fügte cs also anders. Nur wenigeHauptworte nahm sie aus den Lectionen zum Ge-sänge auf, ließ diese in Antiphoniecn wiederkom-mend ans Herz dringen, als Hauptdcnkmahle derganzen Geschichte. Dieß, dünkt mich, fcy der wahrezweckmäßige Gebrauch derselben nach Ort und Zeit:denn warum dürfte der Gemeine eine Geschichte vor-gesungen werden, die sie weiß, ja die sie eben ge-hört hat? Und welches sogenannte mahlende Rcci-kativ könnte eine Geschichte mahlen? Aber Worte,Stellen aus der Geschichte ans Herz legen, das kanndie Tonkunst.

5 . Hiemit zeigt sich also, daß die Kirchen-musik auf keine Weise dramatisch seyn