Dichtung und Fabel.
an der auch ich lange gelernt habe, und noch täglichlerne. Das Rührende einzelner Gesichtszüge, dasTauschende der Carnation und der Farben, so wiefern herbei gesuchte tiefe Gedanken sind gut undvortrefflich, wenn das Hauptwerk zur Seele spricht— spricht, wie es durch diese Mittel zu ihr sprechenkann, Helle, klar, reich, deutlich. Je weniger dieMahlerei dem Schein nach wirken will, je mehr siedie scheußliche Repräsentation vermeidet, desto mehrwird sie wirken; desto mehr wird sie aus der bloßenNachabmcrin, eine reine und demütbige Darstellerinder unergründlich-tiefen, immer neuen und schöiunWahrheit. — Du hingegen , Tonkunst, auch mirbist du mehr , als mir die Mahlcrei seist, kann ldenn wie du recht gesagt hast, bist du der harmo-nische Grund und die Melodische Begleiterin aller,selbst der wählerischen Schönheit. Du wirst miraber zugeben, daß ohne weine Worte, obne Gesang,Tan; und andere Handlung, für Menschen deintEmpsinoungcn immer im Dunkeln bleiben. Dusprichst zum Herzen; aber bei wie wenigen zumVerstände! ja auch, wo du zum Herzen sprichst,wie oft ist seine Regung blos eigentlich - sinnlicheRührung! Gicbis nicht auch Thicre, die sich nachgewissen Tönen oder Gängen von Toner, freuen oderbetrüben? Ja, als man den grausarmn Versuchmachte, lebendigen Geschöpfen das Gehirn zu öffnen,und durch gewisse Druckungen bei ihnen bald Schmerz,bald Freude erregte; mochten diese Empfindungen,auf eine grobe Weise bewirkt, etwas anders scyii,als was du auf eine unendlich feinere Weise bewir-kest ? Freilich ist das ganze Herz des Menschen
Herders W.Lit.u.Kunst. Xllt. F