74 I. Ueber Bild,
Faden des armen Instrumentes. Siehcst du, daßunser Vater Apollo den Pinsel führe ? aber die Eitherführt er, denn Musik ist die Kunst aller Künste —
Der Vater Apollo wollte, daß sie ihn aus demStreit ließen: denn, sagte er, ihr send beide meineTöchter, und ich führe außer der Cithcr ja auch dieSonnenpfeile, in denen alle Strahlen der Farbenund Schönheiten liegen. Also, meine Tochter, -Mah-lerei, vcrthcidige dich besser; jetzt scheinest du nochüberwunden. Von Wirkung, nicht vom Umfangeder Kunst, war die Rede.
Die Mahlcrei that also den zweiten Lauf. Ebenmeine Wirkung, Vater, ist über allen Widerspruchdie reinste und klarste, die erhabenste und dauerndsteWirkung. Meine Schwester hatte Ursach zu sagen,daß ihre Töne unscheinbar, d. i. dunkel in einan-der liegen: sic und ihre Wirkung find allerdings sehrdunkel. Kann jemand wohl, was Töne sagen wol-len, sagen? reden sic nicht die verworrenste Sprachevon Halbempsindungen, die sich unsrer Seele immerzu nähern scheinen, und sie nie fassen; die immerwie Sand oder Wellen des Meers uns umspülen,uns umrauschcn, und nie ihre Wirkung in uns nurhalb vollenden? Vorüber sind sie, wie der Bach,wie das Lüftchen; und wo ist nun ihr Bild? woihre Stimme und Sprache? Ich hingegen darf'srühmend wiederholen, mache die bestimmteste, klarste,daurendste Wirkung. Meine Formen sind auf einereine Weise da; man weiß doch und behalt, wasman an mir siehct. Man behalt's nicht blos imGcdachtniß, sondern im Blick, vor den Augen der