62 I. Ueber Bild,
der Farbe oder aus einer ähnlichen Ursache entsprin-gen."
Auf diesen so oft mißverstandenen Begriff derÄachabmung, d. i. der künstlichen Darstellung undder Uebung unsrer Vernunft in Anerkennung derGegenstände, in freudiger Anschauung des Aehnli-chen u. f. bauet der philosophische Grieche sein Ge-bäude der Dichtkunst; und könnte der Ursprung astermenschlichen Dichtung, jener wirksame Trieb in uns,Analogi een zu schaffen, mit inneremVergnügen sie a n z u er k e n n en, und je-desmal dadurch seine Begriffe zu er-weitern, zu üben, zu stärken, in einerallgemeiner» Quelle gesucht werden? Auch der äso-pischen Fabel ist also Analogie die Mutter; nichtAbstraktion, nicht eine leere Reduktion vom Allge-meinen auf's Besondre. Fabeln, die auf dem letz-ter» Wege erfunden wurden, sind meistens tobteFabeln; dagegen die Dichtungen der 'Analogie in je-dem Glieds leben. Auch die Freude des Zuhörersbei dieser Dichtung, seine Freude beim Anerkennendes ähnlichen Falls und sein unvermerktes, willigesLernen der eingeklcideten Lehre erklärt sich aus demAristotelischen Grundsatz vortrefflich; dagegen die Ab-straktion und Reduktion nichts erkläret. Der Menschist ein nachahmendes Thier: ec freuet sich also überdie Fabel nicht nur als über ein nachgcahmtes Kunst-werk, sondern als über eine geheime Anleitung,durch welche er theoretisch oder praktisch selbst nach-ahmen lernet. Die Thiere haben ihn Alles gelehrt?jetzt lernt er von ihnen auch Weisheit.