Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 13 (1821) Nachlese
Entstehung
Seite
52
Einzelbild herunterladen
 

Ü2 I- Ueber Bild,

schüttet, ist zu rechter Zeit und Stunde alles Mög-liche möglich.

Die Parabel gebt dem Beispiel zur Seite: dennsie ist nur ein erdichteter Fall aus der mensch-lichen Geschichte, der sich also zwischen Dichtungund Wahrheit in der Milte verliert. Was fehletalso beiden, dem Beispiel und der Parabel am Ueber-zeugenden der äsopischen Fabel? Das Hauptstückder letztem, die innere -Nothwendigkcit derSache selbst fehlt ihnen, durch welche sich eineFabel von Beispiel, von der Parabel und von al-len emdcm Dichtungen auszeichnet. Ein Beispielerläutert; aber es zwinget, cs überzeugt nicht. EineParabel macht wahrscheinlich; aber auch ihr fehltder Punkt der inner» Gewißheit, der hier entschei-det. Andre Dichtungen können empfehlen; die Fa-bel allein dringet unausweichlich, weil sie uns dieinnere Nothwendigkeit der zu beginnenden Handlungoder des Erfahrungsfatzes anschaucnd zeiget.

Und wodurch zeigt sich dicß? Eben durch denCharakter der Wesen , die sie handeln läßt; es mö-gen Götter und Dämonen, oder Bäume, Thiere,Pflanzen scyn, und was sonst zur Natur gehöret:denn eben sie führt die Fabel wirkend oder redendein, damit sie dem Trüglichen des Beispiels, demMangelhaften der Parabel entweiche, und uns durchdiese handelnde Naturwesen die moralischenGesetze der Schöpfung selbst in ihrer innernNothwendigkcit zeige. Der Charakter dieser Wesennämlich und ihr Verhältnis gegen einander ist durchdie Natur bestimmt: sie handeln in diesem Charakter,