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I. Ucker Bild,
Die neuern Fabeldichter haben das Feld derFabel noch mehr erweitert. Da sie nicht für wirk-liche Situationen deS Lebens dichteten, und alsoweder eine praktische Lehre, noch einen uns mittel-baren Erfahrungssatz anschaulich machen wollten: sobegnügten sie sich oft mit einer Spekulation, einemästhetischen Urthcil, einer feinen Bemerkung, fürwelche sie einige veranlassende Umstande berbeiführ-ten, und sie am Ende einem der Fabelwesen in denMund legten. Ich habe nichts dagegen, daß mandiese Fabelgattung philosophische oder Con-versat i o ns fab e ln nennt: sie können viel Fei-
nes und Nützliches enthalten; selten aber wird diefeine Bemerkung dieser Art in der gedichteten Si-tuation selbst völlig anschaubar gemacht worden seyn,daß sie aus ibr durch eine Art innerer Nothwendig-kcit folge. Eine Reihe von veranlassenden Umstan-den , oft nur eine Gedankenfolge ist, in ihr zusam-mengcstellt, damit die feine Bemerkung Stelle undOrt finde. Ich zweifle, daß Aristoteles diese Situa-tionen für äsopische Fabeln erkennen würde; denNamen sinnreicher Dichtungen aber würdeer ihnen gewiß nicht versagen. Und verlören sie mitdiesem Namen?
Leicht wird sich hieraus auch beurthcilen lassen,wiefern man der Fabel Allegorie zuschreibcn odervon ihr sagen könne, daß ein allgemeiner Satz in ihreDichtung eingckleidet worden scy? *) Ist jede
Fabel
*) Lessing war gegen Beides, sowohl gegen dieAllegorie der Fabel, als die Einklei-dung