Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 13 (1821) Nachlese
Entstehung
Seite
33
Einzelbild herunterladen
 

Dichtung und Fabel.

33

mcnschlichc Seele ist gleichst,n unter alle Thiercha-reiktere vcrthcilt, und die Fabel sucht diese verthciltsVernunft nur hie und du zu einem Ganzen zu bil-den. Ihr süßester Rcitz ist eben diese treue Einfalt,diese Beurkundung aus kleinen Zügen der Natur,und aus der ganzen Sphäre des thicrischcn Lebens.Je genauer der Esel so spricht, daß, wenn ihm,wie Bileams Esel, der Mund aufgethan würde, ernicht anders, als also sprechen konnte: desto wahrerund anmuthiqcr ist die Fabel. Daher jener unnach-ahmbare Reih so vieler alten morgenläudischcn, grie-chischen und aller Nationen Fabeln, die im Standeder Natur den Thieren naher als wir lebten. Durchsinnliche Anschauung nämlich hatten sie den H a b i-tuS der Thiere erfaßt, und konnten gleichsam nichtanders, als in ihrer Sphäre dichten. So gemeinzuweilen die Lehre ist, die sie das Geschöpf sagenlassen: so mächtig dringt sie an's Her;, als ob derNaturgcist selbst aus diesem Wesen spräche. Diefeinere Fabel, da das Thier als Philosoph räsonni-ret, .mag für uns feinere Menschen seyn, derenGaum von stärker» Gewürzen gereiht werden muß,wenn ec an dieser Milchspeise Geschmack finden soll;einfältigere Nationen würden in cjMr Reihe Fabu-listen dieser Art ihren alten Aesop schwerlich erken-nen, und sich oft wundern, warum man zu diesenunthicrischen feinen Sprüchen die Masken der Thierebrauchte.

3. Wie weit erstrecket sich das Gebietder Fabel auch dieß - und jense, tdem Reich der Thiere?

Herders W. Lit.u,Kunst.XIII. C ^Vac/r/e§e.