Dichtung und Fabel.
25
die ihre Mythologie nicht durch Gesänge und Lieder,durch Vorstellung, Kunst, den Tanz und zuletzt durchdie Schrift vcrfeint haben, ist sie ein rohes Chaosgeblieben; nie z. B. die meisten Negervölker undviele amerikanischen Nationen zeigen. Sobald derPeruaner aber seine Regcngöttin und ihren Bruder,den Donnerer, in ein Lied brachte, rundete sich dieDichtung. Jene rohe Schlacken der alten Sagewurden weggeworken, und durch jeden Gesang, durchjedes neue Sylbenmaas im Liede, durch jedes neueSystem eines epischen Mahrchcns, einer dramati-schen Vorstellung, endlich gar einer sittlichen, philo-sophische» Anwendung wurde dicß Bild, jene Alle-gorie feiner geschlungen, fester geordnet. Kurz, nach-dem ein Volk poetisch oder nicht poetisch war, nach-dem hat sich auch seine Mythologie und Spekula-tion ausgcbildct oder ist roh geblieben, wie dicßalles der große Markt der Volker auf jeder Stufeihrer Eultur beweiset.
Es würde uns zu weit führen, wenn wir unsnach Angabe dieses Ursprunges der Dichtkunst aufjede Gattung derselben cinlassen, und ihre Entste-hungsart untersuche» wollten. Wie diese Gattungenin unfern Lehrbüchern vorgezahlt werden, sind sieeigentlich nicht philosophisch, sondern historisch ge-sondert; man ist der Geschichte gefolgt, wie hie undda, insonderheit unter Griechen und Römern, dieeine oder die andre mit einem besonder» Namenbezeichnet worden, damit man, dem Zweck einesLehrbuchs gemäß, aus ihren Vorbildern Regeln hcr-leitcn oder Regeln durch Epcmpel erweisen könnte.Zch zweifle also nicht, daß neben diesen Gattungen