Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 13 (1821) Nachlese
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

Dichtung und Fabel.

21

Natur liegt, Thatigkeit und Leiden, Em-pfangen und Geben, Liebe und Haß, amEnde endlich nichts, als die beiden Geschlech-ter, denken, in welche die Natur ihre belebtestenWesen getheilt hat. Bei Menschen, bei Thiercn,ja sogar bei Pflanzen und Baumen sehen wir die-selbe ; warum sollten sic hier aufhören, und nichtauch bei den höhern elcmentarischen Wesen, bei denKräften der Natur selbst statt finden, da ja Allesin der Schöpfung giebt oder nimmt, wirkt oder ge-nießt, einander hastet oder liebet? Und so wardder Himmel mit Gött.rn und Göttinnen, so wur-den die Elemente mit Wesen erfüllt, die sich ein-ander fliehe» oder anziehen, einander fördern oderzerstören. Die Natur ward ein Kampfplatz verschie-dener, gegenseitiger, sich einander einschränkenderoder einander bcisiehender Kräfte; und ist sie etwasanders? Selbst die Philosophie der Naturgeschichtemuß nach Verwandtschaften, nach Aehnlichkcitenund den beiden Geschlechtern ordnen; sie kann nichtanders. Auch diese Sprosse der Dichtung ist unsalso in der Analogie der Natur gegeben; der mensch-liche Sinn bemerkte, die Phantasie mahlte aus.Sogleich floß aus dieser eine andre Quelle der Dich-tung , nämlich:

3. Die Erzeugungen und Geburtenaller Naturerscheinungen, ihr wechseln-der Zustand des Todes und Lebens.Aus vereinigender Liebe sähe man neue Wesen her-vorgehn, im zerstörenden Kampf andre Gestaltenverschwinden; was war also natürlicher, als jeneTheogonieen, Kosmogonieen und Ecnealogieen er-