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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 13 (1821) Nachlese
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Dichtung und Fabel. i5

zu übertreffen; niemand aber wolle ihn auch über-treffen, und Homers Löwen und Esel, HomersKraniche und Fliegen besser schildern, als Er selbstsie geschildert hat. Wenn deine Rede oder Dicht-kunst dieser Bilder bedarf: so schildere sie nach

deiner Art, wie du solche wahrnahmest, wie derGeist deiner Poesie sie fordert; nie wirst du sodannin Verlegenheit seyn, dem alten Dichter Eines sei-ner Gleichnisse entwenden zu müssen, ja du würdestsie unverändert kaum gebrauchen können, wenn siedir auch alle geschenkt würden. Der Geist dichtet:der bemerkende innere Sinn schafft Bilder. Erschafft sich neue Bilder, wenn die Gegenstände auchtausendmal angeschaut und besungen wären: denn

er schauet sie mit seinem Auge an, und je treuerer sich selbst bleibt, desto eigenthümlicher wird erzusammensetzcn und schildern.

Auch das Uebermahlcn fremder Werke ist da-her immer eine mißliche Arbeit. Gesetzt, du füg-test auch dem Bilde des Andern einen schönen Zug,der Allegorie eine neue treffende Bedeutung bei; duzerstörtest aber damit die cigenthümliche Harmoniedes ganzen Gemähldes; wäre wohl der hcrcingemahlteblendende Farbenstreif der Grazie werth, die du ebendurch ihn dem ganzen Kunstwerk raubtest? AmMateriellen des Bildes lieat's eigentlich nirgends:allenthalben aber am schaffenden Geist, der dasGanze erfand, und es noch jetzo hält und belebet.

6. Also auch über den Grad der Leb-haftigkeit in den Bildern lassen sicheigentlich keine allgemeinen Gesetze