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20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
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derselben Vortheile willen leidest, welche Du so großmüthig aufAndere übertragen hast."

Die Gewohnheit ist mir zur zweiten Natur geworden, undEinsiedeleien oder Feldlager sind mir keine Fremdlinge. Wenn Dirnicht nur mein Friede sondern auch mein Seelenheil theucr ist, Ul-rika, so laß uns scheiden. Ich habe schon zu lange in der Näheeines Schauplatzes verweilt, der so reich ist an Erinnerungen, welcheeinem Büßenden zu furchtbaren Feinden werden müssen."

Ulrika bebte zurück und ihre Wangen erblaßten. Die Gliederzitterten ihr, denn die schnellfassende Sympathie, welche weder Zeitnoch Pflicht ganz anSzulöschen vermocht hatte, mahnte sie stumman die Bedeutung seiner Worte. Auch lag in seiner Stimme eineGlut, ähnlich jenen Tönen, die, ungeachtet sie stets dagegen zukämpfen bemüht war, eine rege Einbildungskraft bisweilen vor ihrheraufzubeschwören Pflegte; denn in keiner späteren Lebenslage ver-mag ein Weib die theuren Laute ganz zu vergessen, mit welcherdie Liebe zum erstenmal das Ohr der Jungfrau begrüßte.

Odo," sprach sie mit einer Stimme so sanft, daß die Nervendes Einsiedlers erbebten,wann gedenkst Du aufzubrechen?"

Heute in dieser Stunde in dieser Minute."

Ich glaube ja Du thust wohl daran, zu gehen."

Ulrika, Du wirst stets ein Liebling Gottes sehn. Bete oftfür mich."

Lebe wohl, theurer Odo!"

Gott segne Dich möge er mit mir Erbarmen tragen!"

ES trat eine kurze Pause ein. Der Einsiedler näherte sichund erhob seine Hände in der Haltung des Segnens. Zweimalschien er im Begriffe zu scyn, die nicht widerstehende Ulrika an seineBrust zu drücken; aber das demüthige, thränenvvlle Antlitz hieltihn zurück, und ein Gebet murmelnd, stürzte er aus der Hütte.Sich selbst überlassen, sank Ulrika auf, einen Schemel und blieb