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begleiten, damit sie ihrem Leid in einem gottseligen Gespräch mitdem Eremiten Luft machen könne."
«Wie, Nlrika ist in den Cedern oben bei dem Einsiedler?"
„Ja, und ich erwarte hier ihre Rückkehr, Herr Graf."
„Du bist ein gefälliger Ehemann, Meister Frei — hast Dufrüher viel Umgang gepflogen mit dem Herrn Odo von Ritterstein,der da oben diese Mummerei von Buße und Abgeschiedenheit spielt?"
„Saperment, ich habe den anmaßenden Menschen nie leidenkönnen; aber Ulrika bildete sich ein, er habe Eigenschaften, dienicht so gar schlimm seien, und der Geschmack eines Weibes gibtsich, wie der Eigensinn eines Kinds, am leichtesten, wenn man ihmden Willen läßt."
Emich legte beide Hände ans die Schultern seines Gefährten,indem er ihm zugleich voll und angelegentlich ins Gesicht schaute.Die Blicke, welche in dieser Haltung ausgetanscht wurden, warenvoll tiefer Bedeutung. Die des Grasen drückten das Mistraucn,die Verachtung und das Staunen eines Mannes von freier Lebens-weise aus, während in denen des Bürgermeisters, der über denCharakter der Frau nachzusinnen schien, mit welcher er so langegelebt hatte, ganze Bände zu ihren Gunsten zu lesen waren. KeineZunge hätte mehr für Ulrika'S reinen Sinn sprechen können, alsdas einfache, herzliche und unwandelbare Vertrauen des Mannes,der nolhwendig so viele Gelegenheit gehabt habe» mußte, sie kennenzu lernen. Keiner von beiden sprach, bis endlich der Graf dieSchultern de- Andern los ließ, langsam den Berg hinan stieg undmit einer Stimme, welche bewies, wie tief er fühlte, vor sichhinsprach:
„Ich wünschte. Deine Gattin wäre von adeliger Abkunft ge-wesen!"
„Nicht doch, gnädiger Herr," antwortete der einfache Bürger-meister, „der Wunsch wäre kaum Wohlwollend gegen einen Freund!In diesem Fall hätte ich die Frau nicht heimführen können."
Die Heidenmauer. 31