476
als die Umstände zu fordern schienen, zu entlassen. Kein Bild vonden verschiedenen Zügen einer Kirche, die in der Christenheit solange einer unbestrittenen Alleinherrschaft sich erfreut hatte undebendeshalb so sehr zum Mißbrauch ihrer Gewalt geneigt war, hättewohl vollständig seyn können, wenn in demselben nicht auch dieRollen d-S Kreuzritters und des Abbe vertreten gewesen wären >außerdem war es auch die Pflicht eines treuen Chronikschreibers,von den Dingen zu sprechen, wie sie waren, wenn gleich die Neben-personen keine sehr bedeutende Beziehung zu dem Hauptgegenstandhatten. Wir müssen aber jetzt unsere leichten Hindcutungen auf denAbbe ganz fallen lassen, nachdem ihn sein Wirth, wie so mancherpolitische Machthaber es mit Anderen seines Standes zu haltenpflegt, blos als das Werkzeug für seine eigenen Zwecke behandelthatte. Albrecht von Viederbach wollte seinen Kameraden nachMannheim begleiten, von dort aus aber wieder nach der Veste zu-rückkehren, da die Zerrissenheit seines Ordens und seine Verwandt-schaft mit dem Grafen einen derartigen Schritt ebenso zweckmäßigals angenehm erscheinen ließen. Auch der junge Berchthold saß imSattel, denn sein Gebieter hatte ihm aus besonderer Gunst dieWeisung ertheilt, er solle dicht hinter ihm reiten.
Der Zug trabte langsam das Jägerthal hinab und der Grafwar höflich bemüht, dem scheidenden Abbe durch eine Art nebligerLogik, welche die poetische Atmosphäre der Diplomatik zu seynscheint, zu beweisen, daß er ^durch die Umstände zu allen seinenHandlungen vollkommen berechtigt gewesen scy, und Letzterer stimmteso bereitwillig in seine Folgerungen ein, als fühlte er nicht, daßer maßlos übertölpelt worden sey.
„Du wirst Sorge dafür tragen, daß die Sache unter DeinenFreunden in's rechte Licht gestellt wird, Monsieur Latouche," schloßder Graf, „wenn etwa am Hofe Deines Franz davon die Rede seynsollte. Möge der Himmel diesen Fürsten bald seinem verlangendenVolke zurück geben, denn er ist ein gar tapferer und ritterlicher Herr."