Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
443
Einzelbild herunterladen
 

443

er Dürkheim in Kasteiungen und AveS für das bezogene Geld volleGegenleistung zahle. Die meisten Kerzen im Chor waren ausge-löscht und die Gänge nur durch einige Lampen, die fast ohne Unter-laß vor den Altären etlicher untergeordneter Kapellen brannten,düster beleuchtet. Während sie den Hauptgang hinunterschrittcn,legte Emich langsam eine Hand auf die Schulter seines Begleiters,als wolle er denselben durch die ernste und bedeutungsvolle Weisedieser Gebcrde zu gespannter Aufmerksamkeit auffordern.

Es wäre mir doch lieb, wenn unserem armen Berthold vondiesen Dienern unserer Frau von Einsiedeln Messen zu Gute kämen,"begann der Graf.Wenn in solchen Gebeten überhaupt eine beson-dere Kraft liegt, so muß dies vornämlich der Fall sehn, wenn sievon Männern gesprochen werden, welche die Hüter eines Heilig-thumS sind, von dem man sich alle diese Wunder erzählt."

Euer Wunsch, hochgeborner Mitwallfahrer und Freund, istnur der Ausdruck meiner eigene» Herzensgedanken. Offen gestanden,ich habe, als ich meinen Rosenkranz abzählte, an wenig Anderesgedacht, als wie sich'S anfangen ließe, den hochwürdigen Herrn Abtgegen einen vernünftigen Preis zur Sinnesänderung zu bewegen,damit er der Seele des armen Jungen die Wohlthat seiner Fürbitteehrlich zu Gute kommen lasse."

Dann hast Du keinen sonderlichen Bedacht auf das genommen,was Dich selbst hieher geführt hat, Freund Heinrich."

Sapperment, was verlangt Ihr von einem Mann in meinenJahren und von meiner Erziehung, Herr Emich? Man wird durchdas oste Wiederholen der Worte so an sie gewöhnt, daß das Her-beten der AveS ungefähr ebenso ist, wie wenn man mit den Fin-gern trommelt, während das Auge eine Rechnung überfliegt. Umübrigens wieder von dem jungen Menschen zu reden wollten wirfür die Messen ein höheres Angebot thun, so könnte dies dengegenwärtigen Preis nur steigern, und wir würden nutzlos in Schadenkommen; denn wie ich die Sache verstehe, kann die geleistete Zah-