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20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
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nicht durch Phantafleen täuschen, und keine geistige Thätigkeit warim Stande, die traurige Wirklichkeit in etwas Anderes zu verkehren,als in die bittere Wahrheit. Dennoch fand Lottchen Trost in ihrenGebeten. Der religiöse Glaube war in ihr thälig, obschon die Ein-bildungskraft schlummerte; denn nichts kann verschiedener seyn, alsdie Truggebilde der einen und die tiefe, festgewurzelte Ueberzcugungdes andern. Sie fühlte sich fähig, Trost für ihren Schmerz darinzu finden, daß fie mit ruhiger, christlicher Hoffnung nach dem Jen-seits blickte.

UlrikaS Empfindungen unterschieden sich von denen ihrerFreundin nur dem Grade nach und durch die Eigenthümlichkeit derUmstände, welche ihre mütterliche Sorge einem noch lebendenWesen zuwandten. Dennoch hatte sie mit ihrem wohlwollenden,treuen und warmen Herzen den Verlust BerchlholdS schmerzlich ge-fühlt, da er ihr nicht gleichgültig seyn konnte, selbst wenn keinanderer Beweggrund obgewaltet haben würde, als daß er der Sohnihrer Freundin war. Sie hatte sich jedoch noch außerdem seitJahren daran gewöhnt, ihn mit ihrer Meta vereinigt zu sehen, undempfand deshalb seinen Verlust fast so schmerzlich, als wenn fieüber der Leiche ihres eigenen Kindes hätte trauern müssen.

Nicht so erging es Heinrich. Die kühne muihige Unterstützung,die ihm Berchihold während des Angriffs geleistet, hatte dem Jüng-ling um der Geistesverwandtschaft willen, die unter den Tapferenein kräftiges Band bildet, seine Achtung gewonnen; indcß war derBürgermeister sein Lebenlang zu sehr von der Alles verdrängendenund unheilbaren Leidenschaft der Erwerbsliebe umgarnt gewesen, umalle seine Plane und Entwürfe, einzig auf den Antrieb eines reinedelmüthigen Gefühls hin, bei Seite zu werfen. Er würde dem Jüng-ling gerne etwas von seinen vielgeliebten Schätzen abgegeben haben,aber Meta war in seinen Augen Alles, und seiner Betrachtungs-weise zufolge mußte cs ihm scheinen, er verschleudere sein Gold,ohne einen gleichen Werth dafür zu erhalten, wenn er die Hand