„Was Du sagst, ist wahr," entgegnete der Abt, der stets mitdem Ritter so zu sagen bei SeitS sprach und kein großes Erstaunenüber dieses Zugeständniß von Grundsätzen an den Tag legte, diein jener Zeit gewöhnlich genug waren und, nur in anderer Form,sich auch bis auf die unsrige verpflanzt haben; denn wir sehen täglich,wie Männer in den wichtigsten Angelegenheiten der Völker lieberihre Moralität zu Verfügung einer Partei stellen, als daß sie denÜbeln Geruch auf sich lüden, es fehle ihnen an dieser Art kamerad-schaftlicher Zuverlässigkeit. „Was Du sagst, ist sehr wahr und kannDir wohl bei dem Großmeister als Entschuldigung dienen. AuchDu wirst in vielem Betrachte diese Wallfahrt heilsam finden."
„Ohne Zweifel, hochwürdigcr Abt. Wir hatten während derBelagerung wenig Zeit, gottesdienstlichen Verrichtungen die ge-bührende Aufmerksamkeit zu weihen, und die unstete Lebensweise,welche wir seit unserer Vertreibung von der Insel führen müssen,hat viele Rückstände aufwachsen lassen — eine Thatsache, deren ichmich jetzt zu erinnern bemüht bin."
„Und Dein Kamerad der dort mit der sanften Miene;sieht er nicht gleichfalls in Beziehung zu der Kirche?"
Albrecht antwortete flüsternd:
„ES ist nur Einer, der ihr Kleid trägt, frommer Benedik-tiner — ein Jüngling, der sich von Graf Gmich bethören ließ;denn offen gesprochen, meinem Vetter fehlt es nicht an Politik, wiesie für seinen Stand und für die Praktiken einer weisen Regierungnöthig ist."
Der Abt lächelte in einer Weise, als wolle er dadurch eingutes Einvernehmen zwischen ihm und seinem Gefährten kundgeben.Dann unterhielten sie sich eine Weile angelegentlich bei Seite undwinkten endlich Monsieur Latouche heran, nachdem sie zuvor unter-schiedliche Blicke nach ihm hin entsandt hatten. Mittlerweile nahmdas Gespräch unter den übrigen Gästen einen mehr allgemeinenFortgang.